Mittwoch, 7. Dezember 2016

Der höchste Vulkan Nordamerikas!


Speedy Gonzales wäre stolz auf uns, denn wir haben den höchsten Vulkan Mexikos (und Nordamerika) in sechs Tagen bezwungen. Ein ziemlicher Kraftakt, wenn man bedenkt, dass wir vom tiefsten Punkt des Landes an der Golfküste in Veracruz gestartet sind und die gesamte Strecke mit dem Bike und in Wanderschuhen zurückgelegt haben. Dass wir es überhaupt geschafft haben, hatte auch sehr viel mit Glück und vielleicht auch richtigem Timing zu tun. Auf alle Fälle waren die 260 Kilometer mit 6500 Höhenmetern alles andere als einfach! 
Am frühen Samstagmorgen waren wir dann endlich alle am Mexiko City Flughafen zusammen. Beppe und Alessio haben jeglichen Schwierigkeiten getrotzt (streikende Züge in Italien, Überschwemmungen, brennendes Auto, streikende Piloten der Lufthansa) und auch ich habe mich mit meinem übergroßen Gepäck durchgekämpft. Hätten es sich die Piloten der Lufthansa anders überlegt und anstatt Samstag am Freitag auf der Langstrecke gestreikt, so wäre unser Projekt schon am Anfang gescheitert. Glück gehabt, Speedy! 
Sack und Pack verstauten wir im Miet-Bus und kämpften uns im Anschluss durch den 6-spurigen-Cityverkehr Mexikos! Ohne Kratzer und Schrammen schafften wir es auf den Highway Richtung Osten und machten nach 3 Stunden unseren Stop im Bergsteigerdorf Tlachichuca auf 2600m. Dort bauten wir in aller Ruhe unsere Bikes zusammen und sortieren die Kleidung und das Equipment für die kommenden geplanten 2 Tage auf dem Bike. Den Rest deponierten wir in der sehr freundlichen und ruhigen Lodge bei Marille und Joachin. Nach weiteren 3 Stunden Fahrt erreichten wir das Hotel in Veracruz an der Küste auf Meereshöhe. Hier räumten wir den Bus leer, um ihn anschliessend zum Flughafen zu bringen. Auf der Fahrt dorthin stoppten wir an einer Tankstelle und der Tankwart fragte nach dem Sprit: Benzin oder Diesel? Oder groß nachzudenken, meinten wir alle, dass es Diesel sei. Dummerweise vergewisserten wir uns aber nicht mehr und der Tankwart ließ den Diesel in den Tank fließen. Beim Losfahren kam dann das dunkle Erwachen: der Bus fuhr gerade mal noch einen Meter, bevor Stillstand herrschte! Wir hatten den falschen Sprit getankt! Oh, nein, Speedy! Und ausgerechnet an dieser einen Zapfsäule war der Dieselzapfhahn ohne spezielle Vorrichtung, so dass er auch in einem Benzintank passte! Viele Anrufe und Telefonate später kam ein Abschleppauto und übernahm den Schaden, den wir angerichtet hatten. Um 1 Uhr in der Früh waren wir ohne ein gescheites Abendessen im Hotel und fielen todmüde in die Federn. Ich sage,Glück gehabt, Speedy! Wer weiß, was sonst vielleicht auf der Straße passiert wäre. 
Am Sonntag in aller Früh ging es an den Strand von Veracruz: das ist immer ein magischer Moment, wenn wir tatsächlich am tiefsten Punkt des Landes sind; noch voller Kraft und Energie und es kaum erwarten können, dass das Bike endlich rollt! Und es rollte dann auch direkt über den Highway, oder auch Autobahn genannt. In Deutschland und der Schweiz hätten wir es innerhalb 5 Minuten in den Verkehrsfunk aller Radiostationen geschafft: Achtung, Fahrradfahrer auf der Autobahn! Aber in Ländern wie Mexiko, Tansania oder Iran ist das alles gar kein Problem und wesentlich ungefährlicher, als auf Landstraßen, da es dort zumindest einen Standstreifen gibt, auf dem wir ganz gemütlich fahren konnten! Trotzdem galt es ständig aufzupassen, da die Mexikaner andere Straßenregeln befolgen! Gegen Mittag erreichten wir eine kleine Bar, an der wir Halt machten und uns literweise Wasser in unsere ausgetrockneten Körper schütteten. Ich kam mir vor wie in der Wüste, so heiß war es. Der nette Besitzer mit italienischen Wurzeln servierte uns dann noch einen exzellenten Kaffee, der zu neuen Kräften verhalf und den Puls in unerwartete Sphären trieb! Arrriiiivvvaaa, venga, venga! Am späteren Nachmittag kamen wir an unserem Etappenort Cordoba an. Doch kurz vorher mussten wir noch ein Loch in Alessios Schlauch flicken. 
Der Abend verlief kurzweilig mit einem feinen Dinner und eiskalten Bier. 
Am Montag ging es weiter: es standen 100km mit 2500hm an, und es sollte ein ziemlicher Kraftakt werden! Nach 30km erfrischten wir uns in einem kleinen Dorf und wollten anschließend die Fahrt fortsetzen. Leider war Alessios Schlauch abermals ohne Luft, so dass wir diesen flicken mussten (Nr.1). Nach ca. 10km mussten wir erneut stoppen (Nr. 2) und nach ca. 500m abermals (Nr. 3) und nach weiteren 800m (Nr. 4) hätten wir am liebsten alle laut geschrien! Der 1000hm - Anstieg wurde nicht weniger und unsere Nerven lagen blank. Auf mein Drängen sprach Beppe dann einen Local an und dieser schickte uns zu einer kleinen Hütte, in der wir nach zwei Kindern fragen sollten. Kinder? Ok, wir machten die Hütte ausfindig und auch die Kinder waren anwesend! Das Bike wurde zum 5. Mal demontiert und ich war am Ende meiner Kräfte und sah keinen weiteren Sinn in dieser Aktion. Doch manchmal muss man einfach auch blind vertrauen, speziell wenn man keine andere Möglichkeit hat! Nach einer Stunde war der Schlauch perfekt geflickt, repariert und tadellos in Ordnung, so dass wir unsere Fahrt fortsetzen konnten, ohne ein weiteres Mal anhalten zu müssen. Diese ganze Aktion kostete uns allerdings so viel Zeit und Nerven, dass die Stimmung zwischendurch mal kippte. Beim lang ersehnten Downhill machten wir einiges an Zeit wieder gut und rasten mit über 50km/h die Berge runter. Gegen 17:30 Uhr erreichten wir die Hauptstrasse und vor uns lagen noch 30km bis Tlachichuca! Wir rollten in einem recht flüssigen Tempo über die Landstrasse, doch schon bald war es stockfinster und sehr gefährlich, da die Lastwagen und Trucks weiterhin in einem Affentempo an uns vorbeirauschten. Das Adrenalin hielt uns wach und wir waren hochkonzentriert. Jetzt ja keinen Fehler machen, immer schön auf der Spur bleiben; hoffentlich kommt kein Schlagloch... Als wir die Lichter einer recht großen Stadt sahen, beschlossen wir, dass es vernünftiger war, dort zu übernachten und das Schicksal an diesem Tag nicht noch weiter herauszufordern! Mit google suchten wir ein Hotel und anschließend den Weg. Die Digitalisierung macht es möglich! Ein wenig später schon hockten wir vor einem prasselnden Kaminfeuer und aßen weltbeste Schnitzel, Steaks und spülten alles mit einem kühlen Bier hinunter. Was für ein Tag! Was für ein Glück, Speedy! 
Am Morgen des Dienstags rollten wir ganz gemütlich nach Tlachichuca und packten dort alles für den Berg zusammen. Es tat gut, ein wenig Zeit zu haben und den Abend und Nacht in Tlachi auf 2600m zu verbringen. Maribelle aus der Lodge verwöhnte uns mit einem guten Essen und die Nacht war auch recht angenehm, bis uns um 5:00 Uhr in der Früh ein Feuerwerk aus den Träumen riss! Die Mexikaner feierten genau in der Woche ein christlich-katholisches Fest und ballerten den ganzen lieben langen Tag Feuerwerk ab, als wäre jede Minute Sylvester! Man muss sich das so vorstellen: immer wieder ertönt der Knall einer China-Böllers oder einer Rakete und jedes Mal erschrickt man sich so sehr, dass man einen Sprung zur Seite macht. Für Herzpatienten nicht sehr förderlich! 
Somit waren wir zumindest hellwach und konnten am Mittwoch mit den Bikes bis auf 3500m rauffahren, um dann in die Wanderschuhe zu steigen und den restlichen Weg bis zur Pedra Grande Hütte zu Fuß zurück zu legen. Beim Aufstieg probierten wir, möglichst langsam zu laufen und die Atmung an dieses Tempo anzupassen. Ich weiß nicht, ob es dieses langsame Laufen war oder die Anstrengung der vergangenen Tage; Punkt Ankunft auf 4200m auf der Hütte, zerlegte es mich für die folgenden 24 Stunden. Leichte Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Lethargie und Herzrasen machten sich bemerkbar und jede Bewegung zur qualvollen Anstrengung. Was war mit mir los? Ich konnte nun am eigenen Leib erfahren, dass man nie vorhersehen kann, wie die Akklimatisierung abläuft. Mal ist alles gut, mal zerlegt es einen. Bravo. Das konnte ich gerade genau gebrauchen. Leichte Panik stieg in mir auf, da die Zeit einerseits für mich tickte (je länger ich auf der Höhe blieb, desto besser verlief die Anpassung) und einerseits gegen mich (was, wenn die Akklimatisierung doch nicht stattfand?!). Ich hatte mich doch das ganze Jahr so sehr auf dieses Projekt gefreut und nun sollte mir mein "Hochleistungskörper" einen Strich durch die Rechnung machen? Alles war so lange geplant und ausgetüftelt. In unzähligen Skype-Telefonaten und E-Mails entwickelten wir Drei das Projekt und ich freute mich so sehr, diese neue Herausforderung, einen Vulkan auf 5600m mit Ski abzufahren, anzunehmen. Doch ich wollte auch nichts riskieren; jegliche Unvorsicht in großen Höhen kann übel enden. Besonders bei einer geplanten Skiabfahrt. 
Zum Glück hatten wir den Donnerstag noch zur Anpassung eingeplant, so dass ich mich zu stressen brauchte. Aber sag das mal einem, der nicht bei vollen Kräften ist! Nach 24 Stunden ging es mir dann aber doch besser und ich war froh, dass Beppe und Alessio keine Probleme hatten, und mich stattdessen gut versorgen konnten (Tee kochen, Essen kochen, usw.). Auf der Hütte war noch ein britisches Ehepaar und wie sich herausstellte, war der 73 jährige Peter Holden eine Legende im Klettern! Er hatte in den frühen 1980er Jahre alle sechs großen Nordwände der Alpen in einem Winter erklettert! Wir fanden in ihm einen sehr unterhaltsamen Gesprächspartner mit einem großen Repertoire an tollen Geschichten und Storys! So verging die Zeit am Donnerstag und mein Körper erholte sich Minute um Minute! Die Nächte waren allerdings immer der Horror. Da ich bestimmt 5 Liter Wasser trank, musste ich alle Stunde raus aus dem Schlafsack und die Freiluft-Toilette aufsuchen. Immerhin ging es nicht nur mir so. Zudem war der Sternenhimmel gigantisch! 
Am frühen Freitagmorgen schulterten wir gegen 3 Uhr in der Früh unseren schwer beladenen Rucksack samt Ski, Steigeisen, Pickel, Gurt und Seil. Wir hatten nur noch diesen einzigen Tag und gingen es an. Mit meiner Flutlicht-Stirnlampe leuchtete ich uns den Weg durch das "Labyrinth"und wir schafften es mit ein paar Umwegen, fast pünktlich zum Sonnenaufgang (ca. 6:30 Uhr) am Gletscher anzukommen. Es war schon sehr anstrengend und als wir das lange Eisfeld vor uns sahen, stockte uns kurz der Atem! Wir blieben weiterhin auf Steigeisen und die Ski waren weiterhin am Rucksack montiert. Schritt um Schritt ging es nun stetig bergauf für die kommenden 700hm. Die Steigung war teilweise um die 40%, womit jeder Schritt absolut sicher sitzen musste. Es war die reinste Tortour. Meine Kräfte waren ziemlich am Ende und ich schaltete den mentalen Turbomotor an. Für eine gewisse Zeit konnte ich mich mental sehr gut ablenken, doch ich merkte, dass auch diese Kraft an ihre Grenzen kam. Ich stellte dieses Mal aber fest, dass es da noch mehr gibt, als die bewusste, willentliche mentale Kraft. Da ist ein Urvertrauen, dass ich es schaffen werden und will, welches mich antreibt, nicht aufzugeben, auch wenn ich bewusst merke, dass die physische Kraft immer weniger wird. Vielleicht kann ich es mit den Worten beschreiben: "Jetzt habe ich es soweit geschafft, nun bringe ich es auch zu Ende!" Ich musste doch einfach nur Laufen; einen Schritt vor den anderen setzen; einfach nur Laufen und keine großen Denkaufgaben lösen. Und das funktionierte tatsächlich. Mein körperlicher Motor lief zudem seit einiger Zeit auf "Gummibärchen-Modus", was bedeutete, dass ich ca. alle 15 Minuten eine Handvoll Zucker zu mir nahm. Beppe war sehr gut drauf und spurte den gesamten Gletscher für uns rauf. Alessios Taktik bestand darin, immer ein Stück schnell zu gehen, um dann kurz zu pausieren. Und meine Taktik? Ich versuchte alles und wechselte immer wieder den Rhythmus. 30 Meter vor dem Gipfel wollte ich dann plötzlich nicht mehr laufen. Doch Alessio munterte mich mit dem Satz "This is the best time of your life" auf und ich mobilisiere nochmals Kräfte, um dann um 10:00 Uhr endlich auf dem höchsten Vulkan Nordamerikas zu stehen!Wir fielen uns in die Arme und Tränen der Erschöpfung flossen! Was für ein Kraftakt! Nach kurzer Verschnaufpause auf dem Gipfel schnallten wir die Ski unter unsere Füße und machten uns für die Abfahrt parat. Keiner von uns ist vorher auf einer solchen Höhe Ski gefahren und wir waren alle ziemlich aufgeregt. Das Herz klopfte uns bis zum Hals und die ersten paar Meter waren alles andere als angenehm, da es ziemlich eisig war. Die folgenden Schwünge wurden allerdings immer besser, da der Schnee durch die Sonne leicht angetaut war. Mit mehr Selbstvertrauen wurden unsere Bewegungen rhythmischer und die ersten Juchzer kamen aus unseren Kehlen! Unser Traum wurde Wirklichkeit und wir fuhren den Vulkan tatsächlich mit den Ski ab! Völlig fix und fertig erreichten wir dann das Ende des Gletschers und verstauten die Ski wieder auf unseren Rucksäcken. Der lange Weg durch das Labyrinth wurde noch länger, da wir alle mit unseren Kräften am Ende waren und uns zudem ein paar Mal verliefen. Unser mexikanische Freund Mario erwartete uns inmitten des Labyrinths uns zeigte uns den Weg hinaus. Großer Jubel und Stolz wurde uns auf der Hütte von unseren neuen Freunden entgegengebracht, was uns alle sehr glücklich machte. 
Der Jeep unserer Lodge stand schon bereit und wurden packten unser Equipment ein. Beppe und Alessio fuhren mit den Bikes downhill und ich beschloss, mein Schicksal nicht weiter herauszufordern und fuhr mit Joachin im Jeep nach Tlachichuca. Jedoch wollte der Jeep nicht mehr fahren, da eine Feder abgesprungen war! Ich wartete also eine gute Stunde auf der Hütte und vertrieb mir die Zeit mit guten Gesprächen mit Peter, Angela und Mario. Trank Tee und bekam ein Stück englischen Weihnachtskuchen! Die Mexikaner schafften es tatsächlich, den Jeep wieder fahrbar zu machen und so rollten wir den Berg hinunter. Allerdings nur so weit, bis es wieder für ein Stück bergauf ging und der Motor streikte. Ungefähr 10x wurde die Motorhaube geöffnet, etwas geschraubt und gedreht, zurückgefahren, Anlauf genommen, um es dann irgendwann im Schneckentempo und mit angehaltener Luft über den Hügel zu schaffen. Anstatt zu verzweifeln, hatte ich die tiefe Überzeugung, dass ich auch dieses letzte Abenteuer schaffen würde und irgendwann in Tlachichuca ankommen würde. Meine ausgetrocknete Kehle und mein knurrender Magen blendete ich einfach aus und freute mich nur über den Gipfel. Glück gehabt, Speedy! Nach 3 Stunden Fahrt (normalerweise 1 Stunde!) kam ich endlich in der Lodge an, wo Beppe und Alessio schon mit einem Bier auf mich warteten. Mit einer heißen Dusche und einem feinen Dinner von Maribelle fühlte ich mich wie neugeboren! 
Der Samstag bestand dann darin, alles für den Rückflug einzupacken und zum Flughafen nach Mexiko City zu fahren. Um 20:00 Uhr saßen wir auf unseren Plätzen in der Lufthansamaschine. Kurz vor Start ertönte es allerdings aus den Lautsprechern und der Pilot teile uns mit, dass es merkwürdige Geräusche im Frachtraum geben würde!? Wir rollten somit nicht zur Startbahn, sondern zurück zum Parkplatz! Nach einer guten Stunde gab es dann Entwarnung und wir konnte mit reichlich Verspätung in Richtung Osten abheben. Beppe und Alessio erwischten sogar noch ihre Anschlussflüge und sogar das Gepäck schaffte es bis nach Mailand. Ich überlebte die sechs Stunden Autofahrt von Frankfurt bis nach St. Moritz und gegen Mitternacht waren wir alle wieder in der Heimat. Glück gehabt, Speedy! 
Total: 260km, 6 Tage, 6500hm. 
Tausend Dank an Katadyn Trek`N Eat, Oat King, UVU Racing, Julbo, Petra, Bertold, Mario, Beppe, Alessio, the families and friends und an alle, die uns live verfolgt haben! 
Der Film zum Abenteuer kommt auch bald! Hier schon mal ein paar Fotos: 













Samstag, 26. November 2016

Die Anreise

Die Anreise
Alles ist fertig gepackt und die Taschen bis aufs letzte gefüllt mit Klamotten für 2 Jahreszeiten und Equipment für 3 Sportarten. Ich komme mir vor, als ob ich nicht eine Woche verreisen würde, sondern 3 Monate! Ich fühle mich auch ein wenig dekadent und privilegiert, dass ich mal eben nach Mexiko fliege und dort (leider) nur 8 Tage verbringe. Zurück zum Thema: ich komme am Flughafen Frankfurt ohne Stau auf der Autobahn an und finde auch auf Anhieb das Parkhaus. Ich lade alles aus und suche vergeblich einen Gepäckwagen. Nun denn, alles auf den Buckel laden und irgendwie den Lift finden. Rucksack mit 20kg auf den Rücken, Biketasche auf Rollen in eine Hand, die Umhängetasche über die Schulter und, achja, der Skibag! Wo findet der noch Platz? Auf der anderen Schulter! So laufe, rolle und schleppe ich mich durchs Parkhaus in Richtung Lift. Dort steht auch endlich ein Gepäckwagen. Ich lade das Bike quer, dadrauf den Rucksack und die Ski stechen wie eine Lanze oben raus. Der Lift kommt und wer passt nicht rein? Ich! Also alles wieder vom Gepäckwagen abladen und unter grössten Kraftanstrengungen den Plunder längs und hochkant auf den Wagen und den Rucksack auf den Rücken. Passt. Der Lift öffnet sich und ich fahre zum Terminal. Mittlerweile laufen mir die ersten Schweissperlen den Rücken runter. Nach einer endlosen Tour durch verschiedene Gänge, erreiche ich eine Rolltreppe, die mich zum Schalter bringen soll. Zum Glück entdecke ich noch einen Lift, auf den ich zielsicher hinstrebe. Leider ist der Lift noch kleiner als der erste, so dass ich es irgendwie managen muss, alles Gepäck in den Lift zu werfen, ohne dass die Türen schliessen und der Lift mit meinem Gepäck abhaut! Mit einem langen Spagat schaffe ich es zeitgleich die Türen offen zu halten, die 28kg schwere Biketasche vom Wagen in den Lift zu befördern und mir dabei einige Male die Schienbeine am harten Metall anzuschlagen. Bei der kurzen Fahrt in die 2. Etage kann ich kurz verschnaufen. Und dann geht alles wieder raus. Der Wagen, die Biketasche, der Skisack, der Rucksack, die Umhängetasche und ich. Von Schweissperlen ist jetzt keine Rede mehr; eher Überflutung. Und dann geht alles plötzlich ziemlich schnell: am Schalter für Sondergepäck stehen vor mir nur 2 grosse Kisten mit 2 grossen Hunden, die etwas ratlos schauen. Mein Gepäck wird ohne Probleme eingecheckt und ich bin um Ca 60kg leichter...

Während ich noch eine ganz gute Anreise habe, müssen Beppe und alessio mit diversen Hindernissen kämpfen. Da die Piloten der Lufthansa streiken, ist ihr Flug von Pisa nach München gestrichen. Mit Auto und Bahn schaffen sie es gerade noch rechtzeitig zum Münchner Flughafen und trotzen überfluteten Strassen in Italien und rauchenden Motoren.
Das Abenteuer hat begonnen!

Sonntag, 13. November 2016

Getting ready for the next volcano: Pico de Orizaba in Mexico!

It is always exciting to start a new project when you have an idea about doing something. The thoughts in your mind are chaotic and they are hopping around like flipper balls. And then you press the start button and it rolls. Its still chaotic but it becomes clearer and clearer.
Our new project will start in the middle of November 2016. We want to climb the third volcano in our series “Volcanic Seven Summits Bottom Up Climbs” and we decided to rock the highest volcano of North America. It is the Pico de Orizaba in Mexico (5636 meters)! Of course we want to do it in the Bottom Up Climbs Style what means to start at the lowest point of the country which will be on the shore of the Gulf of Mexico.
The first thing we do is to make a research about the country and its special landscape. Due to the fact that we have no library of maps we use google maps or open street maps to get a first impression about the conditions. We find out where the highest point is and then we decide where we need to start. On google maps you can see only the road and some smaller streets but no hiking or biking trails. It is always a surprise when we get to the country to see how the roads are! For our new project we decided to start in Veracruz at the shore of the ocean. Veracruz is a big city what makes it normally easier with all the logistical things. Apropos logistical things: I dont know why but on this trip everyone has a special idea: Beppe wants to be independent what means that he doesn’t want to have a support car who carries all our bags. That means that we have to organize everything for ourself. Alessios ideas makes it not easier because he wants to ski up and down the last section of the volcano (approximately 750 meters). That means we have to carry the skis and boots and poles as well. Due to the fact that we have no support car it will be a challenge to cycle and hike with all that equipment. Compared to Beppes and Alessios ideas is my wish very simple: I don`t want to sleep higher than 4000 meters what means that the boys have to be fit to climb the summit from that hight in one go. Fortunately the last hut is on 4200 meters what means that we can stay there for 2 days and acclimatize. The summit day will be at least 1400 vertical meters. Absolutely makeable 🙂
Due to these “extra”-wishes the trip needs a proper logistic planning. Although we only have 8 days for everything!!
At the moment we try to plan the “external factors” like: to organize a rental car from Mexico city to Veracruz; Book our own bikes and ski on the flight; Organize the hotels (easy); organize the stay at the Pedra Grande Hut on 4200 meters because there is no water source. Therefore we need a guide with jeep who drives up the water for us because it would be impossible to hike up with all the equipment AND water for 3 days (12 liter?!). Then we need to organize the transport back to Mexico city. The internal factors are about food, mechanical equipment for the bikes, how to pack everything what means to travel with: bike, ski, ski boots, ski poles, ice axt, rope, bike shoes, hiking shoes, sleeping bag, sleeping mat, helmet, bikes clothes, glacier clothes, food,…. I don`t see myself with all that equipment traveling from St. Moritz village to the airport by train !!)…But this is exactly what I love. To have an idea and to make a plan out of it. With the trust that everything will become reality! 



Stay connected with us and learn in the next blog post who we are and what makes our three different characters so special!

Dienstag, 1. November 2016

Tapering, Weltmeisterschaft und Danach!

Wie stellt sich eigentlich ein „Nicht-Sportler“ oder ein „Nicht-Wettkampfathlet“ das Leben einer Athletin vor? Zuerst einmal kommt eine ganze Weile ein Training mit verschiedenen Einheiten. Darauf will ich hier aber gar nicht näher eingehen. Denn das sollte ja auch eigentlich klar sein. Ohne Fleiss keinen Preis! Doch ca. 2 Wochen vor einem Wettkampf ändert sich das Trainingsverhalten der Athletin schlagartig. Es wird nur noch halb so viel trainiert, die Einheiten sind wesentlich kürzer und die Regeneration steht im absoluten Vordergrund. Was jetzt noch nicht gemacht wurde oder geheilt ist, hat keine Chance mehr auf Verbesserung. Denn zwei Wochen vor dem Wettkampf sollte das Training abgeschlossen sein. Nun befindet sich die Athletin in der „Tapering-Phase“. Dies bedeutet, dass der Trainingsumfang um ca. 50% reduziert wird und der Körper viel Zeit zur Erholung bekommt, um dann am Tag X des Wettkampf perfekt ausgeruht und trainiert zu sein. Wer jetzt glaubt, dass diese Phase doch super sein muss, der täuscht sich gewaltig. Es fällt der Athletin nämlich gar nicht leicht, von 110% auf 50% herunterzufahren und plötzlich anstatt 4 Stunden Training nur noch 1 Stunde zu schwitzen. Unruhe macht sich bemerkbar und Gedanken kreisen im Kopf wie „Habe ich genug trainiert? Reicht es? Hätte ich nicht noch mehr machen sollen? Oder war es gar zu viel Training?“ Diese Phase ist zudem gekoppelt mit letzten Vorbereitungen, die den Wettkampf betreffen. Das erforderliche Equipment wird rausgesucht, das Ernährungskonzept erstellt, das Strecken,- und Höhenprofil ausgedruckt und mit markanten Punkten versehen. Jetzt bleibt noch Zeit, um notwendige Vorkehrungen zu treffen. Tapering ist sehr wichtig, denn nur eine entspannte Sportlerin ist eine gute Sportlerin! In der Ruhe liegt die Kraft und nur wer in dieser Phase zu viel macht, kann eigentlich nur schlechter werden!
Und dann geht es zum Wettkampf.
Und hier berichte ich und beschreibe das letzte Race bei der Weltmeisterschaft im Ultratrailrunning in Portgual am vergangenen Samstag. Der Start ist um 5 Uhr, was bedeutet, dass das Frühstück um 3 Uhr stattfindet. Zum Glück teile ich mir mit Simone das Zimmer, sonst wäre ich glatt eine Stunde zu spät aufgestanden. Ich hatte meinen Wecker auf 3:30 gestellt, anstatt auf 2:30! Huijujuiuhu! Das wäre lustig geworden!
Das Aufstehen gelingt trotzdem sehr gut, obwohl die Nacht alles andere als ruhig war. Zum Frühstück gibt es leckere Hefeteig-Schnecken mit Honig und Kaffee. Ich sitze mit dem deutschen Team an einem Tisch und die Aufregung steigt mit jedem Schluck Koffein. Mit dem stark verspäteten Bus fahren wir ca. 45km bis zur Startlinie und haben gerade noch 15 Minuten Zeit, bis es losgeht. Und dann gehen die Stirnlampen an und die über 280 Athletinnen und Athleten rennen los. Für die kommenden 2h45min ist es stockfinster und nur die Kopflampen weisen uns den Weg. Ich komme ganz gut rein ins Rennen und merke, wie die Maschine recht schnell startet. Ich lasse mich aber nicht sonderlich hetzen und rausche im mittleren Tempo im hinteren Mittelfeld mit. Für manche Läufer ist das technische Gelände reinstes Neuland und immer wieder muss ich in den Bergabpassagen abbremsen, da die Kolonne ins Stocken gerät. Als wir dann einen ziemlich tiefen Fluss überqueren müssen, welcher nur über wenige, spitze und aalglatte Steine zu passieren ist, hätte ich fast einen Abflug gemacht. Ich bin dicht hinter einer Läuferin, die grosse Schwierigkeiten hat und auf einem Stein mitten im Fluss stehenbleibt und nicht vor und nicht zurück kann. Dummerweise stehe ich mit ihr auf diesem Stein und bleibe erst mal still, um sie nicht nervös zu machen. Nach einer gefühlten Ewigkeit reicht es mir langsam und ich ermutige sie, doch einfach zu gehen. Dabei gerät sie ins Straucheln und greift nach meinem Arm! Himmel! Ich halte sie gerade noch so fest , bis sie das Gleichgewicht wieder gefunden hat, um es im nächsten Moment direkt wieder zu verlieren. Blitzschnell reisse ich mich von ihr los und gebe ihr einen kleinen Schwung nach vorne, so dass sie zum nächsten Stein und somit in „Sicherheit“ springen muss. Das hätte auch echt übel ausgehen können. Weiter geht’s! Als die Sonne später aufgeht gibt das einfach nochmal zusätzliche Energie. Ich laufe und freue mich, dass ich mitmachen darf! Nach 30km treffe ich am 2. Verpflegungsposten ein und kurz nach mir kommen auch Ildiko und Claudia an. Beide sehen recht frisch aus und ich muntere uns auf: Lets rock it, girls!  Währenddessen werde ich von unserem super Betreuerteam mit allem Notwendigen versorgt und Dodo haut uns allen nochmal eine extra Portion Iso rein! Es geht weiter, aber irgendwas ist anders. Der erste lange Anstieg erweist sich als mühsam. Langsam macht sich auch die Hitze bemerkbar. Ich finde keinen Rhythmus und bin furchtbar langsam. Die Sonne brennt, es ist heiss und der nächste Verpflegungsposten ist noch gute 10km und 800hm entfernt. Ich glaube, ich verdurste und erste Krämpfe in den Beinen machen sich bemerkbar. Gitti zieht zu mir auf und wir laufen eine Weile zusammen, bis wir endlich den Verpflegungsposten erreichen. Ich schütte mir das Wasser und Iso ohne Ende rein und merke gar nicht, dass es meinen Durst stillt. Ich fühle mich sehr erschöpft. Aber, das Iso und der Zucker wirken und neue Kräfte lassen sich mobilisieren. Ein langer Abstieg über eine Forststrasse folgt, aber mit vollem Wasserbauch lässt die sich nicht sonderlich schnell laufen. Und dann machen sich die Krämpfe im Magen oder Darm oder Zwerchfell oder sonst wo bemerkbar und ich muss das Tempo verlangsamen und Gitti ziehen lassen. Ich hoffe, dass die Krämpfe sich mit der Zeit bessern, aber leider ist das Gegenteil der Fall. Ich kämpfe und leide und habe viel Zeit über meine Misere nachzudenken, was nicht gerade dazu beiträgt, dass es mir besser geht. Ich schleppe mich von einem Kilometer zum nächsten und trinke bei jedem Verpflegungsposten grosse Mengen Wasser, Iso und Cola, doch nichts hilft. Es ist zum Heulen. Klar, ich kann aufgeben, aber bei einer Weltmeisterschaft gibt man nicht so einfach auf, oder? Beim letzten langen Anstieg treffe ich die Läuferin wieder, mit der ich fast baden gegangen wäre. In dem weglosen Gelände kann jeder dort laufen, wo es gut geht, aber sie meint nur zu mir, ob ich ihr mal aus dem Weg gehen könnte, sie möchte vorbei!? Hä? Ich antworte nur, dass es hier ja gar keinen Weg gibt und man ja überall laufen kann. Für so was habe ich nun wirklich keinen Nerv mehr. Erheiternder ist das Wiedersehen mit einer Britin, die ganz am Anfang übelst auf ihre Knie gestürzt ist und seitdem Verbände wie Knieschoner trägt. Wir muntern uns gegenseitig auf, indem wir uns auf ein Bier im Ziel verabreden. Ich würde in diesem Moment alles dafür geben, dass meine Krämpfe aufhören und ich wieder locker laufen kann, doch meine Wünsche werden nicht erhört. Beim letzten Verpflegungsposten will ich einfach aufgeben, doch Maja und Dodo reden mir gut zu, massieren meinen Bauch und schicken mich auf die letzten 15km bis zum Ziel. Hügel über Hügel laufe ich immer weiter und irgendwann bin ich da. Ich biege ein auf die lange Zielgerade. Die Zuschauer applaudieren, doch selbst darüber kann ich mich nicht mehr freuen. Nach über 12 Stunden erreiche ich das Ziel und habe alle meine persönlichen Ziele verfehlt.
Nun beginnt die Post-Race- Phase und die ist mitunter noch anstrengender, als das Rennen. In der Zielverpflegung langen mir gerade einmal ein paar Kartoffelchips und etwas Cola. Mehr schaffe ich nicht, obwohl ich weiss, dass diese Phase zur besseren Regeneration ganz essentiell ist. Wenn der Körper von aussen schnell protein,- und kohlenhydratreiche Kost bekommt, dauert die Wiederherstellungsphase nicht so lange und man ist schneller wieder frisch. Ich gehe derweil erstmal duschen und danach fühle ich mich schon ein bisschen normaler. Obwohl ich aufpassen muss, dass ich keine „Post-Race-Krämpfe“ bekomme. Das ist etwas ganz fieses und kommt meiner Meinung nach durch einen defizitären Wasser,- und Elektrolythaushalt. Schon bei den kleinsten Bewegungen krampft die Muskulatur und das tut sehr weh. Im Anschluss gönne ich meinen Beinen noch eine Massage und die Masseure kneten und trommeln, was das Zeug hält. Irgenwann bin ich zurück im Hotel und treffe alle anderen zum Abendessen, was nach so einer Anstrengung nicht üppig ausfällt. Der Körper muss ist viel zu erschöpft, als dass er grosse Mengen an Nahrung aufnehmen könnte. Als ich mich endlich auf meinem Bett ausstrecken kann, krampft sich hier und da nochmals ein Muskel zusammen, aber ich bin sehr froh, dass alles nun vorbei ist. Und dann tauchen sie auch wieder auf, die Gedanken und Ideen für neue Wettkämpfe. Das ist schon sehr speziell, wo ich doch 5 Stunden vorher noch felsenfest davon überzeugt war, dass das definitiv mein letzter Wettkampf war. Aber es gibt da einfach noch so viel zu entdecken...
Eine Weltmeisterschaft hat wohl ihre eigenen Bedingungen. Mit dem Damenteam sind wir 7. geworden und die Herren haben es sensationell auf den 3. Rang geschafft! Superstars! 
Jetzt steht die Erholung im Vordergrund mit viel Schlaf, trinken, essen und ausruhen. Um dann am 25.11. wieder durchzustarten: der nächste Vulkan steht an! Mehr dazu in Kürze! 

In diesem Sinne: Krisen kommen und Krisen gehen auch wieder.





Dienstag, 4. Oktober 2016

Auf geht`s!

Ab heute sind es noch 3 1/2 Wochen bis zum nächsten Wettkampf. Der steht in Portugal an und umfasst 85km mit 5000 Höhenmetern.  Kein Kindergeburtstag, da gehts um viel mehr. Dieses Mal reise ich nämlich wieder einmal mit dem Bundesadler im Gepäck und darf neben 5 anderen Frauen und 6 Männern das Deutsche Team vertreten. Ob ich Erwartungen habe? Klar, mitmachen und dabei sein. Nachdem ich im letzten Jahr mein Debut in Frankreich gegeben habe und dort auf dem 21. Platz gelandet bin, gehe ich dieses Jahr etwas realistischer an die Sache. Was ich geändert habe? Meine Einstellung, aber nicht die Motivation. Und das Training? Am Anfang der Vorbereitung heißt es bei mir immer wieder "mehr". Mehr Regeneration, mehr Tempoläufe, mehr Intervalle, mehr Berge. Die Bilanz nach der Hälfte der Vorbereitung sieht wie immer ganz anders aus. Weniger Tempoläufe, weniger Intervalle, etwas weniger Regeneration, dafür aber neue Methoden. Da ich ja permanent auf 1800 Höhenmetern lebe, versuche ich neue Reize auf einer neuen Höhe zu setzen. Somit kann es sein, dass ich erst 1000 hm auf einen Berg rauflaufe (zB. auf die Diavolezza) und dann dort oben nochmals Intervalle trainiere. Bisher habe ich 10x 30sec mit ca. 80% der HFmax gemacht. Da ich dort oben dann auf knapp 3000 Metern bin, ist die Intensität nicht ganz so hoch zu wählen. Bei den ersten Intervallen schwebe ich meistens noch voll euphorisch über die Geröllpisten, um dann spätestens bei den letzten 4 die Höhe ziemlich zu spüren. Aber: nur die Harten kommen in den Garten. Zudem gehe ich auch gerne auf die neue "Finnenbahn" bei meinem Lieblingssee "Lej Alv", welcher auf gut 2600 Metern liegt. Zuerst über die steile Piste bis zur Corviglia und dann dort oben 10 Runden à 1km drehen. Dabei unterstützt mich gute Musik aus dem i-Pod. Zudem sind dort oben auch gerne Wanderer, die auf einer der Parkbänke die Aussicht geniessen wollen. Spätestens bei der 2. Runde höre ich ein "Wie viele Runden laufen Sie denn?" . Und wenn ich dann sage "10", dann feuern sie mich jede Runde mit lautem Geklatsche an! Schön!
Mehr Regeneration... ja, das ist immer so eine Sache: Qualität vor Quantität, jedes Training 100% machen, nie müde starten, immer schön ausruhen. Da kann ich noch einiges lernen, aber ich werde besser. Zumal eine gute Regeneration auch viel mit Bewegung zu tun hat. Für mich läuft das am besten so ab: nach einem sehr langen Training (über 4 Stunden), mache ich ein Cool-Down-Walking von bestimmt 30 Minuten. Währenddessen trinke ich einen Proteinshake von Oatking und essen noch zusätzlich einen feinen Haferriegel oder einen Proteinriegel mit Erdnussbutter. Danach ab in die Badewanne und mindestens 1,5-2 Liter Flüssigkeit trinken. Und dann weiterhin in Bewegung bleiben. Sobald ich mich hinsetze und auf dem Sofa liege, rosten die Muskeln ein und ich bin nachher ein Roboter. Also vielleicht noch die Wohnung aufräumen, putzen oder die Blumen pflegen. Und dann aufs Sofa....
Eine weitere Methode, die ich auch immer wieder gerne anwende und darin immer besser werde, ist das Mentale Training. Wenn der Fuß zwickt oder der Oberschenkel brennt, dann stelle ich mir einfach  "gegenteilige" Bilder vor, die den Schmerz lösen. Beim brennenden Oberschenkel kann das die Feuerwehr sein, die zum Löschen kommt und eine Ladung Wasser und Schaum auf meine Oberschenkel gießt. Wenn die Lunge kurz vor Erschöpfung ist, stelle ich mir vor, wie sich nach und nach weitere Schleusen öffnen, die noch mehr Sauerstoff ins Blut transportieren. Und wenn der Fuß umgeknickt oder unsicher läuft, dann stelle ich mir bandagierte Pferdebeine vor, die elegant durch einen Parcours springen. Der Phantasie ist alles erlaubt. Und es funktioniert wirklich! 
In diesem Sinne: Immer "mehr" muss nicht sein. Hauptsache man findet Neues und freut sich über jede absolvierte Trainingseinheit. 
Mein Musiktipp: Tocotronic und Beatsteaks (die Oberknallermegakombi!!): 




Freitag, 12. August 2016

Stress vor einem Race? Nie gehört!

Vor einem Rennen sind wir doch alle irgendwie immer wieder Anfänger. Alle haben trainiert, aber keiner weiß so genau, wie es wirklich werden wird. Alles ist irgendwie aufregend und unglaublich hektisch und obwohl wir doch schon viele Wettkämpfe gemacht haben, kann man nicht wirklich von Routine sprechen. Wisst ihr, was ich meine? Ich bin ja so eine Spezialistin auf dem Gebiet "Auf den letzten Drücker" und wer frühere Berichte von mir gelesen hat, weiß, was ich meine. Am Tag vor einem Rennen studiere ich hektisch die Pflichtausrüstung und suche danach wie ein aufgeschrecktes Huhn alles zusammen. Wobei sich die Dinge dann auch immer wieder an anderer Stelle befinden und ich mein Hirn kräftig anstrengen muss, alles zu finden. Bei meinem letzten Race in den Dolomiten im Juni wusste ich zudem auch gar nicht mehr, wann und warum ich mich angemeldet hatte. Und war dann doch etwas überrascht, dass die Zeit nach Marokko so schnell (2 Wochen) verging. In den Tagen vorher machten die Fragen "Warum mache ich da mit?" "Warum tue ich mir den Stress an?" und "Wie wird es wohl werden?" die Runde in der Endlosschleife. Fragen, die nur das Orakel beantworten kann und selbst wenn ich das Orakel wäre oder es zumindest kennen würde, würde es mir auch nicht beim Abbau meines Stresslevels helfen. Mh. Also trotz Routine alles wieder auf Anfang. Trotz diverser Mentaler Tricks immer wieder dieses Stresslevel. Während des Dolomiti Extreme Trail Races (53km und 3800hm) hatte ich viel Zeit, darüber nachzudenken. Es gehört dazu- der Stress muss sein, sonst wäre es ja kein Wettkampf. Sonst wäre es ja Training und alle könnten sich an den Händen fassen, lustig ein Liedchen trällern und sich im Ziel in den Armen liegen. In den Armen liegen wir uns im Ziel zwar auch, und zwischendurch singen wir auch ein Lied; aber gestresst sind doch alle irgendwie. Wenn man vor dem Start dann auch noch Bekannte trifft und sich Fragen über Ausrüstung, Wetter, Taktik usw. stellt, dann kann die Nervosität nochmals auf Hochtouren geraten. Nur weil einer vielleicht doch die dickere Regenjacke eingepackt hat, heisst das ja noch lange nicht, dass es auch wirklich viel regnen wird! Aber kaum kreist dieser Satz im Raum, überlegt man doch, ob es noch Sinn macht, zum Gepäcktransport zurückzulaufen, um die dickere Regenjacke einzupacken. Was für ein Stress. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Aber ein Ultra-Race ist auch kein Spaziergang und wenn man in den hohen Bergen abseits der Zivilisation unterwegs ist, dann sind solche kleinen Details manchmal schon sehr wichtig. Wenn ich bei einem Stadtmarathon aus welchen Gründen auch immer plötzlich keine Lust mehr habe weiterzulaufen, dann kann ich an der nächsten Bushaltestelle aussteigen. Aber mitten im Wald oder hoch oben auf einem Gipfel ist das etwas ganz anderes. Da dauert es schon etwas länger und man überlegt sich zweimal, was man tut.
Aber irgendwie finde ich diese "Nicht-Routine" auch wieder spannend. Wenn alles immer gleich ablaufen würde, dann wäre es für mich persönlich doch zu langweilig. Das kann sicherlich nicht jeder vertragen, aber ich finde das jedes Mal eine tolle Herausforderung, auch wenn ich mich selber mit meiner Hektik und meinem Stress nerve und andere in den Wahnsinn treibe!
Auf den ersten Kilometern eines langen Rennens kommt bei mir dann der Stress nochmals zum Höhepunkt. Oftmals sehe ich nur einen riesigen Berg an Kilometern und Höhenmetern und Minuten und Stunden vor mir und frage mich panisch, ob ich das wirklich durchhalten möchte. Die ersten 20-30 Minuten eines jeden Rennens verlaufen so oder ähnlich. Die Maschine muss halt erst starten; der Motor muss sich warmlaufen; alles im Hirn muss ich bereit machen für ein langes Abenteuer; alles steht auf Start. Und in der Regel geht der Motor dann auch nicht mehr aus und läuft und läuft und läuft. Ist dieser Punkt überwunden, bin ich im Rennen und freue mich, dass ich das machen kann, was ich so gerne mache! Sicherlich kommen dann diverse andere Krisen; auch Verspannungen in den Beinen und Rücken oder die Füsse knicken um. Aber mit jedem Schritt nähere ich mich dem Ziel und das gibt mir enormen Aufwind und Rückenwind und positive Energien. Oftmals stelle ich mir dann auch die Strecke vor, die ich schon gerannt bin und freue mich, wie weit ich schon gekommen bin. Es passiert alles nur im Kopf und deswegen ist es so entscheidend, dass die Schaltzentrale ausgeruht ist und alle Reserven mobilisieren kann. Denn nur eine entspannte Sportlerin ist eine gute Sportlerin!
Und somit sammele ich von Rennen zu Rennen meine Erfahrungen und nehme mir für den nächsten Wettkampf immer wieder neue Tipps zu Herzen. Aber letztlich falle ich immer wieder in meine Stressreaktion. Denn diese ist Teil von mir und vielleicht auch das Benzin, welches ich zum erfolgreichen Finishen brauche (oder eher Diesel).
Mein Musiktipp:
https://www.youtube.com/watch?v=FGFbZckK7Eo 


Running on the moon!  
Recovery at the ALTO BAR on Corviglia, 2300m 
Mountainbiking on the FLOW TRAIL brings good vibrations!  
My paradise-home!  

Montag, 13. Juni 2016

Alibaba und die 7 Berge - 280km durch das Atlasgebirge

Atlasgebirge? Wo liegt das? Schnell mal den Atlas rauskramen und nachschauen... Natürlich! In Marokko! Nix wie hin!
Mit dem UVU -Team geht es los und Maggy, Tim, Rainer und ich sind startklar. In Marrakesh treffen wir noch alte UVU-Freunde und freuen uns, dass Jean-Paul aus Holland auch am Start ist. Der Lauf wird von Wüstenlegende Mohamad Ahansal organisiert, der auch für unser sensationelles Team am Start ist. Von Marrakesh geht es in Kleinbussen erstmal ca. 7 Stunden quer durchs Land, um dann in dem kleinen Bergdorf Zaouiat Ahansal anzukommen und um das Quartier zu beziehen. Es sind in diesem Jahr über 50 Teilnehmer am Start und die halbe Weltkugel der Nationen ist vertreten. 17 Frauen stehen am ersten Tag an der Startlinie und das ist für einen solchen technisch schweren Ultratrail doch beeindruckend! Zur Opening-Zeremonie gibt es einheimischen Tanz und Gesang und alle bringen sich in Stimmung. Zu diesem Zeitpunkt weiss noch keiner, was uns noch erwarten soll... Der Startschuss fällt für die erste Etappe mit 47km und 2256hm. Schon auf den ersten Metern habe ich einen Schatten hinter mir, der mich auf Schritt und Tritt verfolgt. Ich laufe mein Tempo, doch ist es ungewohnt, dass mich jemand so verfolgt. Es ist Aziza, eine marokkanische Läuferin, die den Lauf schon 3x gewonnen hat und beim Marathon des Sables in diesem Jahr sensationelle 5. geworden ist. Nun ja, denke ich, mal schauen, was das wird mit uns beiden... Es geht weg von der Strasse und der Trail führt durch ein holpriges Flussbett. Auweia, das hatte ich gar nicht erwartet, dass das hier so technisch anspruchsvoll wird. Nach dem langen Winter sind meine Füsse noch gar nicht bereit, so schnell und so technisch zu arbeiten. Ich muss das Tempo etwas beruhigen, doch mein Schatten macht ordentlich Druck hinter mir. Ich komme überhaupt nicht in meinen Rhythmus und stolpere durch die Gegend, als hätte ich Rollschuhe an den Füssen. Ich komme mir neben Aziza vor wie ein Nilpferd. Oder wie ein Trampeltier. Sie hat ungefähr die Hälfte von mir und fliegt die Berge nur so rauf... Naja!
Der Weg ist auch nur schlecht markiert, oder vielleicht sehe ich die roten Sprühmarkierungen nicht, weil ich mich so gehetzt fühle. Als ich abermals vom Weg abkomme und mich in einem Gestrüpp verheddere, zieht Aziza davon. Ohjee, meine Gedanken kreisen um alles, aber nicht um das Rennen. Ich fühle mich nicht wirklich bereit und fange an zu zweifeln, ob ich diesem Wettkampf schon gewachsen bin. Doch die innere Stimme sagt mir auch, dass die 1. Etappe bisher immer die schlimmste war und so beisse ich mich weiter durch. Ich werde nach einiger Zeit von Gerald aufgepickt, und fortan machen wir ein gemeinsames Spiel. In einem grossen Geröllfeld suchen wir uns wie die Pfadfinder den Weg und müssen zwecks Orientierung immer wieder anhalten. Plötzlich taucht eine Gruppe Läufer vor uns auf und von Weitem erkenne ich UVU-Kollege Tim. Zack, eingesammelt und zu dritt geht es weiter über Stock und Stein. Nach einem langem Abstieg, bei dem mich meine rechte Bauchseite wieder mal aufs Übelste mit Stichen gequält hat, kommen wir in eine grüne Oase aus Wiesen und Feldern. Nach ca. 5 Stunden Laufzeit ist die Konzentration nicht mehr die Beste und dann passiert folgendes: Links fliesst ein Wasserlauf, rechts davon ein sehr schmaler Trampelpfad und daneben Terrassen. Ein kleiner Stolperer und ich fliege mit der Flammersfeld`schen Rolle über meine eigenen Füsse, bremse mit beiden Knien und lande eine Terrasse weiter unterhalb in einem fetten Brennesselstrauch. Ich weiss nicht, was mehr brennt, die blutigen Knie oder die Brennnesseln im Gesicht  und an den Armen. Tim ist sofort zur Stelle und versorgt mich mit einem Pflaster, da ich nicht noch mal so ein Dilemma wie in Nepal beim Manaslu Trail Race erleben möchte. Die Szenerie geht dann in etwa so: Ich: "Autsch, ah, oh nein" (Polter, Shredder, Stille, Jammern, Weinen...) . Tim: "Ist alles ok?" Ich: "NEIN, nichts ist ok, ich liege hier unten!" Tim: "Komm, ich helfe dir hoch! Geht es? Ist nicht so schlimm, oder?!" Ich: "Nicht so schlimm?" Tim: "Komm, es geht weiter!" Ich: "Ich brauch ein Pflaster!" Tim: "Ach, das blutet doch gar nicht so schlimm!" Ich: "WAS? DAS BLUTET WIE DIE HÖLLE! PFLASTER!!" Der arme Tim. Mit mir muss man echt was aushalten, wenn ich mal jenseits meiner emotionalen Kontrolle bin. Mit einem Pflaster auf dem Knie, was sich natürlich sofort wieder löst, geht es für die restlichen 15km weiter und ich fluche innerlich über diese miserable Etappe... Zusammen mit Tim und Gerald überqueren wir dann völlig happy die Ziellinie und schütten uns im nächstbesten Kiosk 2 Cola und 3 Fanta in den Hals. Ach, ist das Leben schön!
Die 2. Etappe ist ziemlich strapaziös, aber das hält mich nicht ab, einfach mein Tempo zu laufen. Die negativen Gedanken vom ersten Tag spüle ich einfach runter und laufe mit neuer Energie los. 54km mit 2400hm stehen an, auf gehts! An diesem Tag geht es u.a. ca. 8km bergauf durch ein Flussbett mit rauschendem Wasser. Immer wieder kreuzen wir die Seiten und die Füsse stapfen tapfer durch das kühle Nass. Ein wenig erfrischend ist das ja schon, denke ich und eigentlich macht das auch voll Spass. Ich bin wieder zusammen mit Tim unterwegs, den ich zwischendurch irgendwo aufgegabelt habe. Nach dem Flussbett geht es nochmals 800hm über einen Zickzack-Trail bergauf, um dann auf der anderen Seite eine unglaubliche Aussicht zu geniessen! Ca. 20km vor dem Ziel treffen wir noch Rainer und gemeinsam rollen wir nach 58km ins Ziel. Eine tolle Etappe, ganz nach meinem Geschmack!
Auf der 3. Etappe geht es ähnlich gut los und Tim, Rainer und ich ziehen uns gemeinsam die Berge hoch. Beim ersten Anstieg werden wir von einem heftigen Sturm begleitet, so dass wir Stöcke, Sonnenbrille und Sonnenhüte gut festhalten oder im Rucksack verstauen mussten. Es fühlt sich an, als wenn ich gegen  einen wildgewordenen Ventilator rennen muss und ich sehe mich schon über den Gipfelkamm fliegen. Auf 2600m passieren wir noch den Lake Tamda, den höchstgelegen See des Atlasgebirges. Mir ist die Aussicht ziemlich egal, denn das vorherige Flussbett (ohne Wasser) verlangte von meinen Füssen alles ab. Nach dem See erreichen wir das Death Valley. Weit und breit nichts zu sehen, ausser Steinen und Wüste oder was auch immer. Mein Hirn beginnt und brutscheln und die Sonne brennt. Wie lange noch? Diese Frage ist tödlich, aber wir rennen ja auch durch das Tals des Todes, also kann ich auch eine solche Frage gen Himmel rufen. Immer wieder hauen wir mit den Füssen gegen Steine, rufen laute Schimpfwörter, bleiben aber nicht stehen. Der Weg liegt ja vor uns, also weiter. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir endlich das Ziel und wie immer ist es die eiskalte Cola, die alle negativen Gedanken runterspült...
Wir kommen zur 4. Etappe, die mit 30km und 1534hm die kürzeste Strapaze werden wird. Beim Start bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich mich freuen soll, heute mal "nur" 30km rennen zu dürfen, oder ob mich diese 30km vielleicht total umhauen werden. Ich lasse es langsam angehen und finde in meinen Rhythmus. Es läuft, super. Die Steigungen meistere ich problemlos und auch Aziza ist schon wieder über weite Berge. Dieser marokkanische Bergfloh kennt einfach die Strecken und ist zudem auch noch super schnell! Der Downhill zum Camp ist dieses Mal besonders schön und auch technisch nochmals anspruchsvoll. Mohamad hat sich da wirklich tolle Etappen ausgedacht!
Bei der 5. Etappe geht es anfangs erstmal fast 18km und 1000hm bergab. Es ist ein Gerenne, als wenn Alibaba hinter uns her ist. Das gehört halt auch dazu. Ich renne heute von Anfang an alleine und finde meinen Rhythmus recht schnell. Es geht durch Dörfer, Flussbetten, Trails, Strassen - es ist einfach alles dabei. Kurz bevor es zur ersten grossen Flussquerung geht, schliessen Tim und Rainer auf. Ich komme mit diesem Rhythmuswechsel überhaupt nicht klar und gerade, als ich durch das anfangs noch flache Bettbett springen will, gerate ich ins Straucheln. Von Flussbett ist auch keine Rede mehr. An dieser Stelle wird das Wasser von Bauarbeitern gestaut und mein nächster Schritt sinkt ganz weit tief nach unten und ich merke, wie der Schlamm sich wie eine Schlingpflanze um mein Sprunggelenk schlingt. Ohjee, ich stecke fest! Hilfe! Warum hilft mir denn keiner! Leicht in Panik rufe ich den Jungs zu und Tim kommt sofort angesprungen. Mit einem grossen Ruck zieht er mich nach vorne, so dass ich fast noch komplett im Wasser lande! Aber zum Glück geht es nochmal gut und ich stapfe weiter voran. An einem kleinen Damm rutsche ich wieder ab und frage lauthals an zu fluchen. Irgendwie bin ich ziemlich unkontrolliert, was meine Bewegungen und Zorn angeht. Nachdem ich wieder auf sicherem Boden bin, rufe ich dem Bauarbeiter noch ein "Sorry" entgegen. Keine Ahnung, was der sich gedacht hat...
Es geht weiter. Rainer ist schon wieder über alle sieben Berge und Tim macht heute schlapp. Wie sich später herausstellt, hatte ihn ein 24h Magenvirus erwischt, so dass der Tag alles andere als schön für ihn war. Ich derweil muss mich ziemlich zusammenreißen, da die Strecke immer so eine Mischung aus flach und leicht steigend ist. Walken oder doch joggen? Immer wieder wechsle ich die Technik und bin weiterhin ziemlich unausgeglichen. "Pull yourself together" rufe ich mir selber zu und reisse mich zusammen. Der Weg führt über einsame Hochplateaus und ich habe keine Ahnung, wo ich bin und wie die Strecke weitergeht. Ich renne über Wiesen, Steine und durch Felder und die Zirpen im Gras "feuern" mich lauthals an (so stelle ich es mir zumindest vor!). Auf der rechten Bergseite tauchen plötzlich 4 Wildpferde auf und ein Tiefschwarzes schaut mich unentwegt an. Ich versuche diese Energie der Pferde aufzusaugen und stelle mir vor, wie ich mit wehender Mähne locker über die  Steppen galoppiere. Ich bin absolut alleine auf weiter Flur und bin mir manchmal gar nicht sicher, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin. Ich laufe einfach weiter und erreiche den höchsten Punkt der Etappe. Von nun an geht es nochmals ca 1000hm auf einem schmalen Zickzack-Weg bergab. Vollste Konzentration ist gefordert. Als ich endlich zur Hängebrücke komme, weiss ich, dass ich es geschafft habe. Rainer wartet im Ziel und zum Glück ist auch ein Kiosk mit eiskalter Cola direkt um die Ecke. Maggy kommt ca. 30 Minuten nach mir ins Ziel und Tim ca. 90 Minuten. Was für ein Tag.
6. Etappe: Die heutige Etappe ist Basti gewidmet. Er war ja bei der ersten Austragung 2013 schon mit dabei und hat mit UVU als Hauptsponsor den Lauf organisiert. Vor dem Start gab es eine Schweigeminute, in der auch an Mark gedacht wurde (ein Fotograf, der bei den letzten beiden Austragungen dabei war und 2015 an einem Herzinfarkt ums Leben gekommen ist). Maggy, Rainer, Tim, Jean Paul und ich wollen die Strecke zusammen laufen und alles nochmals so richtig geniessen. Leider muss Tim unsere Gruppe recht schnell verlassen, da sein Körper einfach zu geschwächt hat. Wir 4 rennen also weiter und schon bald kommt der längste Anstieg mit ca. 1300hm vertikal bis auf 3200m. Wir schrauben uns den Berg hoch und auf der anderen Seite mit Sturm und Gegenwind wieder runter. Im weiteren Verlauf lassen wir das Tempo ein bisschen schleifen, so dass die anderen aufholen können. Doch keiner rechnet damit, dass wir den letzten Downhill mit ca. 600hm in der Direttissima runtershreddern. Wie von einem Schwarm Hornissen verfolgt, stürmen wir einfach senkrecht durch den Pinienwald, komme was wolle. Die Spaziergänger springen kreischend zur Seite und hinter uns gibt es nur noch eine einzigartige Staubwolke. Gerald schliesst auf und ruft uns nur zu, ob der Teufel hinter uns her sei! Es ist nicht der Teufel, es ist einfach nur das Andenken an Basti, der solche Downhills immer so gelaufen ist.... Maggy`s Stock bricht noch durch, ich knicke um; ein Lachkrampf nach dem anderen plagt mich und ich muss mich zwingen, die Konzentration aufrecht zu halten, um nicht wie ein Schneeball die Piste runter zu kugeln..... Wir rasen weiter im Affentempo durch das Dorf Imlil und die Touristen klatschen und feuern uns an! Endlich! Endlich erreich wir zusammen die Ziellinie und freuen uns wie Alibaba und seine 7 Reiter!
Aziza hat das Rennen gewonnen und ich werde Zweite. Ein sehr schöner Erfolg. Aber was zählt schon die Platzierung, wenn man einfach rundherum ein gutes Rennen mit tollen Freunden hatte...
Vielen Dank an UVU RACING, Oat King, Julbo, Compressport.
www.transatlasmarathon.com
Cool And The Gang! 
Unglaubliche Landschaft... 

Nur vereinzelte Vegetation,... 

oder einsame Läuferinnen... 

Eine Oase im Grünen! 

Cola! Ich brauche mehr Cola!! 
Noch mehr Durst! Es ist aber auch staubig! 
Vorher nachher! 


Gemeinsames Dinner mit allen. 

Price giving with Aziza! 

UVU NEW STYLE!!!



Donnerstag, 9. Juni 2016

Trans Atlas Marathon- 280km durch das Hohe Atlas Gebirge

Vom 20.-30. Mai habe ich beim Trans Atlas Marathon in Marokko mitgemacht. Nach 280km und 14000hm gibt es einiges zu berichten. Ich bin fleißig am tippen und der Bericht kommt nächste Woche! www.transatlasmarathon.com
Stay tuned!!

Mittwoch, 6. April 2016

ONWARDS & UPWARDS at Kilimanajaro

ANNE-MARIE FLAMMERSFELD: ONWARDS & UPWARDS written by Tom Greatrex 

www.uvuracing.com 

There are few plaudits that can be used to describe the incredible performances of ultra-runner Anne-Marie Flammersfeld that haven't been lavished on her already. But it’s hard not to try.
As an ultra runner, she is the embodiment of excellence and her achievements are remarkable. As a person she is passionate, thoughtful and surprisingly understated considering her accomplishments to date. And given her action-packed schedule, she’s also generous, acting as an ambassador for the Paulchen Esperanza Foundation, which helps disadvantaged children in Argentina, Tanzania and Sri Lanka.
The German sports scientist and UVU Panther, Anne-Marie made her breakthrough into the world elite class of trail runners back in 2012 (yes, just four years ago!) when she became the first woman in the world to win all four races in Extreme Races Series “Racing The Planet 4 Deserts”, where she ran 250km through some of the most challenging (driest, coldest, windiest and hottest) conditions on earth.
Now internationally recognised and renowned, the affectionately dubbed “Desert Queen” recently broke the female speed record for the fastest ascent and descent by a woman on Kilimanjaro, climbing to the summit via the Umbwe Route in a staggering eight hours and 32 minutes. In doing so she smashed the previous female speed record (held by Brit Becky Shuttleworth) by three hours. That would probably be enough for most people, but Flammersfeld just turned back around and made it back to Mweka gate with a total time on the mountain of just 12 hours 58 minutes.
“I ran really quickly on the initial 2,000 meters,” recalls Flammersfeld, “I got to the halfway point in three and a half hours which was very pleasing. But from Barranco Camp at 3,900 metres to the Arrow Glacier Camp at 4,900 meters I had to slow down quite a bit as the air started to thin. By the time I had reached 5,000 meters the altitude really began to hit me. It took me almost 3 and a half hours to complete the final 1,000 meters. My feet were heavy, each step was pretty hard and the altitude was extremely stressful.”
I just wanted to run down as quickly as possible
“It was the first time I have really fought with the You Versus You concept. I really had to look inwards and carefully consider every movement and step to reach the summit. My mind was dizzy. I felt drunk and had to use my hands and feet to get to the top. In these situations I have to trust my body. I try to compare the challenge to ones I have experienced before. I have survived so much, so I know I will be able to overcome most things. It helps to motivate me and drives me on. When I reached the top I saw one of the guides. He was absolutely overjoyed for me, but all I could say was: “Hi’. I was a bit overcome and just wanted to run down as quickly as possible again.”
The record-breaking Kilimanjaro challenge was part of Flammersfeld’s attempt to conquer the seven highest volcanic summits in the world by setting off from the lowest point in that country. Known as “Bottom Up Climbs” the idea is to complete each of the seven summits without any ‘mechanical’ help. For Kilimanjaro Flammersfeld set off with two Italian friends, Giuseppe Milanesi and Alessio Piccoli, from the Tanzanian coast at Tanga and cycled for four days to reach Mount Kilimanjaro. They then climbed for four days over the Umbwe route in preparation for Flammersfeld’s record attempt a couple of days later.
You get a sense that along with Flammersfeld’s undoubted natural talent, teamed with some meticulous preparation (“every eventuality has to be thought out. You must have a plan B”) and intensive training for each challenge she undertakes, that she just loves running (or that it comes easily to her) and is driven by an unquenchable spirit of adventure and a love for the great outdoors. 
Running is passion
“Running is a passion for me,” she enthuses. “I am lucky enough to have the ability to do it. I enjoy the races, getting outdoors, the adventure, and delivering a performance that I am after and others are expecting on race day. Once the race begins you have a focus and your brain shuts down. Sometimes I think about absolutely nothing. Not what’s around me. Maybe the next step or the next metre, but nothing relevant to my normal life. You just get back to basics and concentrate on the road ahead.”
You would assume at the elite level of ultra running that the careful selection of the right kit as well as diet and nutritional management are key considerations in order to maximise performance?
Flammersfeld agrees: “I try not to eat too much during training as I try to train my fat metabolism, giving me longer term energy from my own body. The higher up you get the more carbs and sugar you need as your body cannot process fat. The most important thing is to eat properly before and after the race how I recover. There’s always the temptation to have a few beers straight after the race, but it’s not the best idea. You are better off eating a lot of carbohydrates and drinking water, but it doesn’t always happen!”
“As for the kit, this is critical. Everything has to be of the highest quality in order for you to get through the race. The best clothes are the ones you barely even realise are there. I have tried out a lot of sports clothing over the years, but nothing comes close to what UVU is developing. Every piece is so well thought out, light and cooling – like a second skin. I am lucky to have been part of the process of developing some pieces and prototypes with them. It is really exciting to be able to say what works and what doesn’t. I am always so impressed with the final products.”
So what about after the race? With so many peaks, there must be some troughs?
“After the build up and completion of a race there can definitely be some post race blues,” Flammersfeld explains. “You have been through so much that you have to try and get back to living again. I do get a bit low post race. It is not healthy to be on a high for too long. After three to six days I am pretty much back to normal again, but it is very important to go through this process. If winning is about the positive high, you need the low to get the balance back. But you’ve always got one eye on the next race.”