Freitag, 12. August 2016

Stress vor einem Race? Nie gehört!

Vor einem Rennen sind wir doch alle irgendwie immer wieder Anfänger. Alle haben trainiert, aber keiner weiß so genau, wie es wirklich werden wird. Alles ist irgendwie aufregend und unglaublich hektisch und obwohl wir doch schon viele Wettkämpfe gemacht haben, kann man nicht wirklich von Routine sprechen. Wisst ihr, was ich meine? Ich bin ja so eine Spezialistin auf dem Gebiet "Auf den letzten Drücker" und wer frühere Berichte von mir gelesen hat, weiß, was ich meine. Am Tag vor einem Rennen studiere ich hektisch die Pflichtausrüstung und suche danach wie ein aufgeschrecktes Huhn alles zusammen. Wobei sich die Dinge dann auch immer wieder an anderer Stelle befinden und ich mein Hirn kräftig anstrengen muss, alles zu finden. Bei meinem letzten Race in den Dolomiten im Juni wusste ich zudem auch gar nicht mehr, wann und warum ich mich angemeldet hatte. Und war dann doch etwas überrascht, dass die Zeit nach Marokko so schnell (2 Wochen) verging. In den Tagen vorher machten die Fragen "Warum mache ich da mit?" "Warum tue ich mir den Stress an?" und "Wie wird es wohl werden?" die Runde in der Endlosschleife. Fragen, die nur das Orakel beantworten kann und selbst wenn ich das Orakel wäre oder es zumindest kennen würde, würde es mir auch nicht beim Abbau meines Stresslevels helfen. Mh. Also trotz Routine alles wieder auf Anfang. Trotz diverser Mentaler Tricks immer wieder dieses Stresslevel. Während des Dolomiti Extreme Trail Races (53km und 3800hm) hatte ich viel Zeit, darüber nachzudenken. Es gehört dazu- der Stress muss sein, sonst wäre es ja kein Wettkampf. Sonst wäre es ja Training und alle könnten sich an den Händen fassen, lustig ein Liedchen trällern und sich im Ziel in den Armen liegen. In den Armen liegen wir uns im Ziel zwar auch, und zwischendurch singen wir auch ein Lied; aber gestresst sind doch alle irgendwie. Wenn man vor dem Start dann auch noch Bekannte trifft und sich Fragen über Ausrüstung, Wetter, Taktik usw. stellt, dann kann die Nervosität nochmals auf Hochtouren geraten. Nur weil einer vielleicht doch die dickere Regenjacke eingepackt hat, heisst das ja noch lange nicht, dass es auch wirklich viel regnen wird! Aber kaum kreist dieser Satz im Raum, überlegt man doch, ob es noch Sinn macht, zum Gepäcktransport zurückzulaufen, um die dickere Regenjacke einzupacken. Was für ein Stress. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Aber ein Ultra-Race ist auch kein Spaziergang und wenn man in den hohen Bergen abseits der Zivilisation unterwegs ist, dann sind solche kleinen Details manchmal schon sehr wichtig. Wenn ich bei einem Stadtmarathon aus welchen Gründen auch immer plötzlich keine Lust mehr habe weiterzulaufen, dann kann ich an der nächsten Bushaltestelle aussteigen. Aber mitten im Wald oder hoch oben auf einem Gipfel ist das etwas ganz anderes. Da dauert es schon etwas länger und man überlegt sich zweimal, was man tut.
Aber irgendwie finde ich diese "Nicht-Routine" auch wieder spannend. Wenn alles immer gleich ablaufen würde, dann wäre es für mich persönlich doch zu langweilig. Das kann sicherlich nicht jeder vertragen, aber ich finde das jedes Mal eine tolle Herausforderung, auch wenn ich mich selber mit meiner Hektik und meinem Stress nerve und andere in den Wahnsinn treibe!
Auf den ersten Kilometern eines langen Rennens kommt bei mir dann der Stress nochmals zum Höhepunkt. Oftmals sehe ich nur einen riesigen Berg an Kilometern und Höhenmetern und Minuten und Stunden vor mir und frage mich panisch, ob ich das wirklich durchhalten möchte. Die ersten 20-30 Minuten eines jeden Rennens verlaufen so oder ähnlich. Die Maschine muss halt erst starten; der Motor muss sich warmlaufen; alles im Hirn muss ich bereit machen für ein langes Abenteuer; alles steht auf Start. Und in der Regel geht der Motor dann auch nicht mehr aus und läuft und läuft und läuft. Ist dieser Punkt überwunden, bin ich im Rennen und freue mich, dass ich das machen kann, was ich so gerne mache! Sicherlich kommen dann diverse andere Krisen; auch Verspannungen in den Beinen und Rücken oder die Füsse knicken um. Aber mit jedem Schritt nähere ich mich dem Ziel und das gibt mir enormen Aufwind und Rückenwind und positive Energien. Oftmals stelle ich mir dann auch die Strecke vor, die ich schon gerannt bin und freue mich, wie weit ich schon gekommen bin. Es passiert alles nur im Kopf und deswegen ist es so entscheidend, dass die Schaltzentrale ausgeruht ist und alle Reserven mobilisieren kann. Denn nur eine entspannte Sportlerin ist eine gute Sportlerin!
Und somit sammele ich von Rennen zu Rennen meine Erfahrungen und nehme mir für den nächsten Wettkampf immer wieder neue Tipps zu Herzen. Aber letztlich falle ich immer wieder in meine Stressreaktion. Denn diese ist Teil von mir und vielleicht auch das Benzin, welches ich zum erfolgreichen Finishen brauche (oder eher Diesel).
Mein Musiktipp:
https://www.youtube.com/watch?v=FGFbZckK7Eo 


Running on the moon!  
Recovery at the ALTO BAR on Corviglia, 2300m 
Mountainbiking on the FLOW TRAIL brings good vibrations!  
My paradise-home!  

Montag, 13. Juni 2016

Alibaba und die 7 Berge - 280km durch das Atlasgebirge

Atlasgebirge? Wo liegt das? Schnell mal den Atlas rauskramen und nachschauen... Natürlich! In Marokko! Nix wie hin!
Mit dem UVU -Team geht es los und Maggy, Tim, Rainer und ich sind startklar. In Marrakesh treffen wir noch alte UVU-Freunde und freuen uns, dass Jean-Paul aus Holland auch am Start ist. Der Lauf wird von Wüstenlegende Mohamad Ahansal organisiert, der auch für unser sensationelles Team am Start ist. Von Marrakesh geht es in Kleinbussen erstmal ca. 7 Stunden quer durchs Land, um dann in dem kleinen Bergdorf Zaouiat Ahansal anzukommen und um das Quartier zu beziehen. Es sind in diesem Jahr über 50 Teilnehmer am Start und die halbe Weltkugel der Nationen ist vertreten. 17 Frauen stehen am ersten Tag an der Startlinie und das ist für einen solchen technisch schweren Ultratrail doch beeindruckend! Zur Opening-Zeremonie gibt es einheimischen Tanz und Gesang und alle bringen sich in Stimmung. Zu diesem Zeitpunkt weiss noch keiner, was uns noch erwarten soll... Der Startschuss fällt für die erste Etappe mit 47km und 2256hm. Schon auf den ersten Metern habe ich einen Schatten hinter mir, der mich auf Schritt und Tritt verfolgt. Ich laufe mein Tempo, doch ist es ungewohnt, dass mich jemand so verfolgt. Es ist Aziza, eine marokkanische Läuferin, die den Lauf schon 3x gewonnen hat und beim Marathon des Sables in diesem Jahr sensationelle 5. geworden ist. Nun ja, denke ich, mal schauen, was das wird mit uns beiden... Es geht weg von der Strasse und der Trail führt durch ein holpriges Flussbett. Auweia, das hatte ich gar nicht erwartet, dass das hier so technisch anspruchsvoll wird. Nach dem langen Winter sind meine Füsse noch gar nicht bereit, so schnell und so technisch zu arbeiten. Ich muss das Tempo etwas beruhigen, doch mein Schatten macht ordentlich Druck hinter mir. Ich komme überhaupt nicht in meinen Rhythmus und stolpere durch die Gegend, als hätte ich Rollschuhe an den Füssen. Ich komme mir neben Aziza vor wie ein Nilpferd. Oder wie ein Trampeltier. Sie hat ungefähr die Hälfte von mir und fliegt die Berge nur so rauf... Naja!
Der Weg ist auch nur schlecht markiert, oder vielleicht sehe ich die roten Sprühmarkierungen nicht, weil ich mich so gehetzt fühle. Als ich abermals vom Weg abkomme und mich in einem Gestrüpp verheddere, zieht Aziza davon. Ohjee, meine Gedanken kreisen um alles, aber nicht um das Rennen. Ich fühle mich nicht wirklich bereit und fange an zu zweifeln, ob ich diesem Wettkampf schon gewachsen bin. Doch die innere Stimme sagt mir auch, dass die 1. Etappe bisher immer die schlimmste war und so beisse ich mich weiter durch. Ich werde nach einiger Zeit von Gerald aufgepickt, und fortan machen wir ein gemeinsames Spiel. In einem grossen Geröllfeld suchen wir uns wie die Pfadfinder den Weg und müssen zwecks Orientierung immer wieder anhalten. Plötzlich taucht eine Gruppe Läufer vor uns auf und von Weitem erkenne ich UVU-Kollege Tim. Zack, eingesammelt und zu dritt geht es weiter über Stock und Stein. Nach einem langem Abstieg, bei dem mich meine rechte Bauchseite wieder mal aufs Übelste mit Stichen gequält hat, kommen wir in eine grüne Oase aus Wiesen und Feldern. Nach ca. 5 Stunden Laufzeit ist die Konzentration nicht mehr die Beste und dann passiert folgendes: Links fliesst ein Wasserlauf, rechts davon ein sehr schmaler Trampelpfad und daneben Terrassen. Ein kleiner Stolperer und ich fliege mit der Flammersfeld`schen Rolle über meine eigenen Füsse, bremse mit beiden Knien und lande eine Terrasse weiter unterhalb in einem fetten Brennesselstrauch. Ich weiss nicht, was mehr brennt, die blutigen Knie oder die Brennnesseln im Gesicht  und an den Armen. Tim ist sofort zur Stelle und versorgt mich mit einem Pflaster, da ich nicht noch mal so ein Dilemma wie in Nepal beim Manaslu Trail Race erleben möchte. Die Szenerie geht dann in etwa so: Ich: "Autsch, ah, oh nein" (Polter, Shredder, Stille, Jammern, Weinen...) . Tim: "Ist alles ok?" Ich: "NEIN, nichts ist ok, ich liege hier unten!" Tim: "Komm, ich helfe dir hoch! Geht es? Ist nicht so schlimm, oder?!" Ich: "Nicht so schlimm?" Tim: "Komm, es geht weiter!" Ich: "Ich brauch ein Pflaster!" Tim: "Ach, das blutet doch gar nicht so schlimm!" Ich: "WAS? DAS BLUTET WIE DIE HÖLLE! PFLASTER!!" Der arme Tim. Mit mir muss man echt was aushalten, wenn ich mal jenseits meiner emotionalen Kontrolle bin. Mit einem Pflaster auf dem Knie, was sich natürlich sofort wieder löst, geht es für die restlichen 15km weiter und ich fluche innerlich über diese miserable Etappe... Zusammen mit Tim und Gerald überqueren wir dann völlig happy die Ziellinie und schütten uns im nächstbesten Kiosk 2 Cola und 3 Fanta in den Hals. Ach, ist das Leben schön!
Die 2. Etappe ist ziemlich strapaziös, aber das hält mich nicht ab, einfach mein Tempo zu laufen. Die negativen Gedanken vom ersten Tag spüle ich einfach runter und laufe mit neuer Energie los. 54km mit 2400hm stehen an, auf gehts! An diesem Tag geht es u.a. ca. 8km bergauf durch ein Flussbett mit rauschendem Wasser. Immer wieder kreuzen wir die Seiten und die Füsse stapfen tapfer durch das kühle Nass. Ein wenig erfrischend ist das ja schon, denke ich und eigentlich macht das auch voll Spass. Ich bin wieder zusammen mit Tim unterwegs, den ich zwischendurch irgendwo aufgegabelt habe. Nach dem Flussbett geht es nochmals 800hm über einen Zickzack-Trail bergauf, um dann auf der anderen Seite eine unglaubliche Aussicht zu geniessen! Ca. 20km vor dem Ziel treffen wir noch Rainer und gemeinsam rollen wir nach 58km ins Ziel. Eine tolle Etappe, ganz nach meinem Geschmack!
Auf der 3. Etappe geht es ähnlich gut los und Tim, Rainer und ich ziehen uns gemeinsam die Berge hoch. Beim ersten Anstieg werden wir von einem heftigen Sturm begleitet, so dass wir Stöcke, Sonnenbrille und Sonnenhüte gut festhalten oder im Rucksack verstauen mussten. Es fühlt sich an, als wenn ich gegen  einen wildgewordenen Ventilator rennen muss und ich sehe mich schon über den Gipfelkamm fliegen. Auf 2600m passieren wir noch den Lake Tamda, den höchstgelegen See des Atlasgebirges. Mir ist die Aussicht ziemlich egal, denn das vorherige Flussbett (ohne Wasser) verlangte von meinen Füssen alles ab. Nach dem See erreichen wir das Death Valley. Weit und breit nichts zu sehen, ausser Steinen und Wüste oder was auch immer. Mein Hirn beginnt und brutscheln und die Sonne brennt. Wie lange noch? Diese Frage ist tödlich, aber wir rennen ja auch durch das Tals des Todes, also kann ich auch eine solche Frage gen Himmel rufen. Immer wieder hauen wir mit den Füssen gegen Steine, rufen laute Schimpfwörter, bleiben aber nicht stehen. Der Weg liegt ja vor uns, also weiter. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir endlich das Ziel und wie immer ist es die eiskalte Cola, die alle negativen Gedanken runterspült...
Wir kommen zur 4. Etappe, die mit 30km und 1534hm die kürzeste Strapaze werden wird. Beim Start bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich mich freuen soll, heute mal "nur" 30km rennen zu dürfen, oder ob mich diese 30km vielleicht total umhauen werden. Ich lasse es langsam angehen und finde in meinen Rhythmus. Es läuft, super. Die Steigungen meistere ich problemlos und auch Aziza ist schon wieder über weite Berge. Dieser marokkanische Bergfloh kennt einfach die Strecken und ist zudem auch noch super schnell! Der Downhill zum Camp ist dieses Mal besonders schön und auch technisch nochmals anspruchsvoll. Mohamad hat sich da wirklich tolle Etappen ausgedacht!
Bei der 5. Etappe geht es anfangs erstmal fast 18km und 1000hm bergab. Es ist ein Gerenne, als wenn Alibaba hinter uns her ist. Das gehört halt auch dazu. Ich renne heute von Anfang an alleine und finde meinen Rhythmus recht schnell. Es geht durch Dörfer, Flussbetten, Trails, Strassen - es ist einfach alles dabei. Kurz bevor es zur ersten grossen Flussquerung geht, schliessen Tim und Rainer auf. Ich komme mit diesem Rhythmuswechsel überhaupt nicht klar und gerade, als ich durch das anfangs noch flache Bettbett springen will, gerate ich ins Straucheln. Von Flussbett ist auch keine Rede mehr. An dieser Stelle wird das Wasser von Bauarbeitern gestaut und mein nächster Schritt sinkt ganz weit tief nach unten und ich merke, wie der Schlamm sich wie eine Schlingpflanze um mein Sprunggelenk schlingt. Ohjee, ich stecke fest! Hilfe! Warum hilft mir denn keiner! Leicht in Panik rufe ich den Jungs zu und Tim kommt sofort angesprungen. Mit einem grossen Ruck zieht er mich nach vorne, so dass ich fast noch komplett im Wasser lande! Aber zum Glück geht es nochmal gut und ich stapfe weiter voran. An einem kleinen Damm rutsche ich wieder ab und frage lauthals an zu fluchen. Irgendwie bin ich ziemlich unkontrolliert, was meine Bewegungen und Zorn angeht. Nachdem ich wieder auf sicherem Boden bin, rufe ich dem Bauarbeiter noch ein "Sorry" entgegen. Keine Ahnung, was der sich gedacht hat...
Es geht weiter. Rainer ist schon wieder über alle sieben Berge und Tim macht heute schlapp. Wie sich später herausstellt, hatte ihn ein 24h Magenvirus erwischt, so dass der Tag alles andere als schön für ihn war. Ich derweil muss mich ziemlich zusammenreißen, da die Strecke immer so eine Mischung aus flach und leicht steigend ist. Walken oder doch joggen? Immer wieder wechsle ich die Technik und bin weiterhin ziemlich unausgeglichen. "Pull yourself together" rufe ich mir selber zu und reisse mich zusammen. Der Weg führt über einsame Hochplateaus und ich habe keine Ahnung, wo ich bin und wie die Strecke weitergeht. Ich renne über Wiesen, Steine und durch Felder und die Zirpen im Gras "feuern" mich lauthals an (so stelle ich es mir zumindest vor!). Auf der rechten Bergseite tauchen plötzlich 4 Wildpferde auf und ein Tiefschwarzes schaut mich unentwegt an. Ich versuche diese Energie der Pferde aufzusaugen und stelle mir vor, wie ich mit wehender Mähne locker über die  Steppen galoppiere. Ich bin absolut alleine auf weiter Flur und bin mir manchmal gar nicht sicher, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin. Ich laufe einfach weiter und erreiche den höchsten Punkt der Etappe. Von nun an geht es nochmals ca 1000hm auf einem schmalen Zickzack-Weg bergab. Vollste Konzentration ist gefordert. Als ich endlich zur Hängebrücke komme, weiss ich, dass ich es geschafft habe. Rainer wartet im Ziel und zum Glück ist auch ein Kiosk mit eiskalter Cola direkt um die Ecke. Maggy kommt ca. 30 Minuten nach mir ins Ziel und Tim ca. 90 Minuten. Was für ein Tag.
6. Etappe: Die heutige Etappe ist Basti gewidmet. Er war ja bei der ersten Austragung 2013 schon mit dabei und hat mit UVU als Hauptsponsor den Lauf organisiert. Vor dem Start gab es eine Schweigeminute, in der auch an Mark gedacht wurde (ein Fotograf, der bei den letzten beiden Austragungen dabei war und 2015 an einem Herzinfarkt ums Leben gekommen ist). Maggy, Rainer, Tim, Jean Paul und ich wollen die Strecke zusammen laufen und alles nochmals so richtig geniessen. Leider muss Tim unsere Gruppe recht schnell verlassen, da sein Körper einfach zu geschwächt hat. Wir 4 rennen also weiter und schon bald kommt der längste Anstieg mit ca. 1300hm vertikal bis auf 3200m. Wir schrauben uns den Berg hoch und auf der anderen Seite mit Sturm und Gegenwind wieder runter. Im weiteren Verlauf lassen wir das Tempo ein bisschen schleifen, so dass die anderen aufholen können. Doch keiner rechnet damit, dass wir den letzten Downhill mit ca. 600hm in der Direttissima runtershreddern. Wie von einem Schwarm Hornissen verfolgt, stürmen wir einfach senkrecht durch den Pinienwald, komme was wolle. Die Spaziergänger springen kreischend zur Seite und hinter uns gibt es nur noch eine einzigartige Staubwolke. Gerald schliesst auf und ruft uns nur zu, ob der Teufel hinter uns her sei! Es ist nicht der Teufel, es ist einfach nur das Andenken an Basti, der solche Downhills immer so gelaufen ist.... Maggy`s Stock bricht noch durch, ich knicke um; ein Lachkrampf nach dem anderen plagt mich und ich muss mich zwingen, die Konzentration aufrecht zu halten, um nicht wie ein Schneeball die Piste runter zu kugeln..... Wir rasen weiter im Affentempo durch das Dorf Imlil und die Touristen klatschen und feuern uns an! Endlich! Endlich erreich wir zusammen die Ziellinie und freuen uns wie Alibaba und seine 7 Reiter!
Aziza hat das Rennen gewonnen und ich werde Zweite. Ein sehr schöner Erfolg. Aber was zählt schon die Platzierung, wenn man einfach rundherum ein gutes Rennen mit tollen Freunden hatte...
Vielen Dank an UVU RACING, Oat King, Julbo, Compressport.
www.transatlasmarathon.com
Cool And The Gang! 
Unglaubliche Landschaft... 

Nur vereinzelte Vegetation,... 

oder einsame Läuferinnen... 

Eine Oase im Grünen! 

Cola! Ich brauche mehr Cola!! 
Noch mehr Durst! Es ist aber auch staubig! 
Vorher nachher! 


Gemeinsames Dinner mit allen. 

Price giving with Aziza! 

UVU NEW STYLE!!!



Donnerstag, 9. Juni 2016

Trans Atlas Marathon- 280km durch das Hohe Atlas Gebirge

Vom 20.-30. Mai habe ich beim Trans Atlas Marathon in Marokko mitgemacht. Nach 280km und 14000hm gibt es einiges zu berichten. Ich bin fleißig am tippen und der Bericht kommt nächste Woche! www.transatlasmarathon.com
Stay tuned!!

Mittwoch, 6. April 2016

ONWARDS & UPWARDS at Kilimanajaro

ANNE-MARIE FLAMMERSFELD: ONWARDS & UPWARDS written by Tom Greatrex 

www.uvuracing.com 

There are few plaudits that can be used to describe the incredible performances of ultra-runner Anne-Marie Flammersfeld that haven't been lavished on her already. But it’s hard not to try.
As an ultra runner, she is the embodiment of excellence and her achievements are remarkable. As a person she is passionate, thoughtful and surprisingly understated considering her accomplishments to date. And given her action-packed schedule, she’s also generous, acting as an ambassador for the Paulchen Esperanza Foundation, which helps disadvantaged children in Argentina, Tanzania and Sri Lanka.
The German sports scientist and UVU Panther, Anne-Marie made her breakthrough into the world elite class of trail runners back in 2012 (yes, just four years ago!) when she became the first woman in the world to win all four races in Extreme Races Series “Racing The Planet 4 Deserts”, where she ran 250km through some of the most challenging (driest, coldest, windiest and hottest) conditions on earth.
Now internationally recognised and renowned, the affectionately dubbed “Desert Queen” recently broke the female speed record for the fastest ascent and descent by a woman on Kilimanjaro, climbing to the summit via the Umbwe Route in a staggering eight hours and 32 minutes. In doing so she smashed the previous female speed record (held by Brit Becky Shuttleworth) by three hours. That would probably be enough for most people, but Flammersfeld just turned back around and made it back to Mweka gate with a total time on the mountain of just 12 hours 58 minutes.
“I ran really quickly on the initial 2,000 meters,” recalls Flammersfeld, “I got to the halfway point in three and a half hours which was very pleasing. But from Barranco Camp at 3,900 metres to the Arrow Glacier Camp at 4,900 meters I had to slow down quite a bit as the air started to thin. By the time I had reached 5,000 meters the altitude really began to hit me. It took me almost 3 and a half hours to complete the final 1,000 meters. My feet were heavy, each step was pretty hard and the altitude was extremely stressful.”
I just wanted to run down as quickly as possible
“It was the first time I have really fought with the You Versus You concept. I really had to look inwards and carefully consider every movement and step to reach the summit. My mind was dizzy. I felt drunk and had to use my hands and feet to get to the top. In these situations I have to trust my body. I try to compare the challenge to ones I have experienced before. I have survived so much, so I know I will be able to overcome most things. It helps to motivate me and drives me on. When I reached the top I saw one of the guides. He was absolutely overjoyed for me, but all I could say was: “Hi’. I was a bit overcome and just wanted to run down as quickly as possible again.”
The record-breaking Kilimanjaro challenge was part of Flammersfeld’s attempt to conquer the seven highest volcanic summits in the world by setting off from the lowest point in that country. Known as “Bottom Up Climbs” the idea is to complete each of the seven summits without any ‘mechanical’ help. For Kilimanjaro Flammersfeld set off with two Italian friends, Giuseppe Milanesi and Alessio Piccoli, from the Tanzanian coast at Tanga and cycled for four days to reach Mount Kilimanjaro. They then climbed for four days over the Umbwe route in preparation for Flammersfeld’s record attempt a couple of days later.
You get a sense that along with Flammersfeld’s undoubted natural talent, teamed with some meticulous preparation (“every eventuality has to be thought out. You must have a plan B”) and intensive training for each challenge she undertakes, that she just loves running (or that it comes easily to her) and is driven by an unquenchable spirit of adventure and a love for the great outdoors. 
Running is passion
“Running is a passion for me,” she enthuses. “I am lucky enough to have the ability to do it. I enjoy the races, getting outdoors, the adventure, and delivering a performance that I am after and others are expecting on race day. Once the race begins you have a focus and your brain shuts down. Sometimes I think about absolutely nothing. Not what’s around me. Maybe the next step or the next metre, but nothing relevant to my normal life. You just get back to basics and concentrate on the road ahead.”
You would assume at the elite level of ultra running that the careful selection of the right kit as well as diet and nutritional management are key considerations in order to maximise performance?
Flammersfeld agrees: “I try not to eat too much during training as I try to train my fat metabolism, giving me longer term energy from my own body. The higher up you get the more carbs and sugar you need as your body cannot process fat. The most important thing is to eat properly before and after the race how I recover. There’s always the temptation to have a few beers straight after the race, but it’s not the best idea. You are better off eating a lot of carbohydrates and drinking water, but it doesn’t always happen!”
“As for the kit, this is critical. Everything has to be of the highest quality in order for you to get through the race. The best clothes are the ones you barely even realise are there. I have tried out a lot of sports clothing over the years, but nothing comes close to what UVU is developing. Every piece is so well thought out, light and cooling – like a second skin. I am lucky to have been part of the process of developing some pieces and prototypes with them. It is really exciting to be able to say what works and what doesn’t. I am always so impressed with the final products.”
So what about after the race? With so many peaks, there must be some troughs?
“After the build up and completion of a race there can definitely be some post race blues,” Flammersfeld explains. “You have been through so much that you have to try and get back to living again. I do get a bit low post race. It is not healthy to be on a high for too long. After three to six days I am pretty much back to normal again, but it is very important to go through this process. If winning is about the positive high, you need the low to get the balance back. But you’ve always got one eye on the next race.” 

Dienstag, 5. April 2016

Haarscharf dran vorbei

Ist es eigentlich Glück, Schicksal oder Zufall, wenn etwas passiert, es aber nicht so schlimm ist und man nachher sagt: "Oh, es hätte ja noch viel schlimmer kommen können!". Dass Trailrunning nicht immer so lustig ungefährlich ist, hat wahrscheinlich jeder schon erfahren, der sich in Wäldern und abseits der markierten Wege aufhält. Man stolpert mal hier  und da über eine Wurzel, rollt sich elegant über ein Geröllfeld nach unten, steckt den Schmerz einfach weg, wenn der Fuss irgendwo hängenbliebt oder ein Ast eine tiefe Schramme auf der Haut hinterlässt. Wie heisst es so schön: "Hinfallen, Aufstehen und Krone richten!"- ein lustiger Spruch. Doch ist dieses Glück, Schicksal, der Zufall eigentlich irgendwann einmal aufgebraucht? Oder: eine andere Theorie: was ist, wenn man durch all diese Erfahrungen, die man sammelt (auch die schmerzhaften Äste im Arm), robuster wird und schneller und vor allem anders in Extremsituationen reagieren kann? Könnte dieses "On-Going"- Training nicht der Beweis dafür sein, dass wir Menschen nur deswegen den Weg aus der Höhle rein in ein zivilisiertes Leben geschafft haben, weil wir diesen Widerständen trotzten? Weil wir einmal aus einer brenzligen Situation gut rausgekommen sind und unser Gehirn diese bis in alle Lebzeiten abgespeichert hat und uns somit vor weiteren Gefahren schützt? Könnte ein Sammeln von Erfahrungen auf der einen Seite dazu führen, dass der Mut, Neues zu wagen, grösser wird? Obwohl das Hirn alle diese negativen Situationen detailliert abspeichern, um so vor weiteren Fehlern und Schmerzen zu warnen? Es heisst aber auch, dass man durch Erfahrungen besser/ anders wird und sich das Handlungsspektrum erweitert. Kann man einfach anders mit Schmerzen umgehen? Verursacht  der Ast im Arm beim zweiten und dritten Mal einen anderen Schmerz, als beim ersten Mal? Könnte man somit schmerzresistenter werden und sich weiterhin noch mehr wagen? Grosse Theorien!
Ich hatte letztes Wochenende wieder einmal Glück, oder Schicksal oder Zufall. Zumindest traf mich ein herunterfallender Stein (Felsbrocken) nicht am Kopf (hätte wohl eine etwas andere Verletzung verursacht?!), sondern streifte mich "nur" am Knie. Dies hinterliess auch einen höllischen Schmerz und Abschürfungen, aber: es hätte ja auch schlimmer kommen können. Wenn ich mich in meinem Umfeld zu diesem Thema umhöre, hat fast jeder eine solche ähnliche Geschichte zu berichten; eben haarscharf dran vorbei. Schön. Schönschönschön.
Mein Musiktipp: Frittenbude "Michael Jackson hatte Recht"
https://www.youtube.com/watch?v=g9sU6VPsA78



Sonntag, 6. März 2016

Das Fieber

Samstagmorgen, 6:23, ich bin hellwach. Die Augen klappen wie von selbst auf, das Adrenalin rauscht durch den Körper und lässt mich aus den Federn zum Fenster springen: Es schneit!  Es schneit dicke Flocken und die Sicht ist gleich Null. Egal! Wie ein Feuerwehrmann bei Alarm gleite ich elegant in meine Skihose und direkt in die Skischuhe. Während die Kaffeemaschine einen doppelten Espresso mahlt, gehen mir Gedanken durch den Kopf: Wie lange schneit es wohl schon? Schneit es schon die ganze Nacht? Wie viele Zentimeter weisses Gold sind wohl schon gefallen? Während ich den Espresso schlürfe, tippe ich nervös Nachrichten an die Powdergemeide ins Handy. "Wo sollen wir uns treffen? Erste Gondel? Hat überhaupt das Gebiet geöffnet? "
Ob die anderen auch so hysterisch sind wie ich, frage ich mich. Ob eigentlich die anderen auch so viele Wetter, - Schnee,- und Powderalarm-Apps auf ihren Handys installiert haben und im Stundentakt den Wolkenströmungsfilm verfolgen? Ob alle die Reiseroute der Frau Holle so sehr verfolgen wie ich? Ich glaube ich habe Fieber, das Powderfieber! Und das mit fast 38 Jahren. Ich komme mir vor wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal Schnee sieht. Vor ein paar Jahren war dieses Fieber noch viel schlimmer.  Freunde, die zu Besuch waren, wurden morgens zu unmenschlichen Zeiten aus dem Bett gezerrt und angeschnauzt, wenn sie nicht schnell genug ihren Körper in die Skisachen bekamen und dann auch noch so sehr trödelten, dass der erste Lift weg war. Mittlerweile ist es nicht mehr ganz so schlimm. Oder vielleicht haben sich meine Freunde auch darauf eingestellt.
Ist Frau Holle erstmal im Anmarsch, fällt auch das Lauftraining aus. Da fällt dann quasi alles aus. Dann brenne ich. Und zwar nicht als kleine Kerze, sondern als ganzer Waldbrand. Das Feuer der Begeisterung ist entflammt. Und dagegen gibt es kein Gegengift!
In solchen Momenten muss ich immer wieder an den Hirnforscher Gerald Hüther denken, der sagt, dass "Begeisterung wie Dünger fürs Gehirn wirkt". Diese Begeisterung wirkt motivierend (früh aufstehen an einem freien Tag), antreibend (so viele Abfahrten machen wie es möglich ist), mitreissend (man muss nur an einem Powdertag morgens um 9:15 in Maloja am Tellerlift stehen) und lässt einen Raum und Zeit vergessen (was? Schon 13 Uhr? Ich habe gar nicht gemerkt, dass meine Hände vom Schnee aufgeweicht und die Kleider nass sind und der Magen knurrt). Diese Begeisterungsfähigkeit samt Waldbrand ist mein Plädoyer an alle, die auf der Suche nach sich selbst sind: Macht das, wofür euer Herz schlägt. Und könnt ihr es vor lauter Bäumen im Wald nicht mehr hören, dann springt einfach mal kopfüber in den Schnee.

Mein Musiktipp:
Primal Scream "Can`t go back"
https://www.youtube.com/watch?v=euRsT0lIVuc
Welcome to Powderhausen! 

Wo ist oben, wo ist unten? 

Die Powdergang im Powderland. 

Selfie with friends! 

Auch die Powderski brauchen mal eine Pause. 

Und die Speicher werden mit Oat King wieder aufgefüllt! 
https://www.youtube.com/watch?v=euRsT0lIVuc

Montag, 1. Februar 2016

Science Blog No. 1: Ist Ultralaufen gefährlich?

Ich habe mir überlegt, meinem Blog einen kleinen wissenschaftlichen Touch zu verpassen und möchte Euch 1x pro Woche über ein interessantes Thema aus Sportwissenschaft und /oder Medizin in verständlichen Häppli (Häppchen) zu erklären. Man lernt ja nie aus! 
Viel Spass! 


Schadet Ultralaufen?

Nun wurde eine Studie aus dem Jahr 2009 veröffentlicht, die Extremsportler beim Transeuropalauf untersuchte. Die Wissenschaftler der Uni Ulm (rund um Dr. Uwe Schütz) wollte wissen, wie sich die enorme Belastung von 4.487,7km auf den menschlichen Organismus auswirkte. Dazu begleiteten die Forscher die Athletinnen und Athleten aus 12 Nationen zwischen dem 19.4. und 21.6.2009. Als diagnostische Instrumente hatten die Forscher ein mobiles MRT-Gerät zur Verfügung, sowie Diagnostika zur Untersuchung der Blut,- und Urinwerte, sowie Hautfaltendickemessung und Temperatur.
Die Strecke führe von der süditalienischen Hafenstadt Bari bis zum Nordkap und die 67 SportlerInnen mussten täglich Strecken zwischen 44 und 95km zurücklegen. 45 von ihnen kamen im Ziel an.
Was wurde untersucht?
Die Gelenke der Athletinnen und Athleten standen im Vordergrund; zudem wurde das Gehirn auf Veränderungen untersucht.
Was kam heraus?
Auf den ersten 1500km kam es zu Störungen im Knorpel in allen Gelenken. Je mehr Kilometer die Läufer aber zurücklegten, desto mehr erholte sich der Gelenkknorpel, was die Wissenschaftler sehr erstaunte. Zudem habe sich der Durchmesser der Achillessehne vergrößert. Bei lediglich zwei Sportlern kam es im späteren Rennverlauf zu Ermüdungsbrüchen.
Und wie reagierte das Hirn?
Nach der gut 2-monatigen körperlichen Belastung nahm das Volumen der grauen Hirnsubstanz im Durchschnitt um 6,1% ab. (Die graue Hirnsubstanz ist ein wichtiger Bestandteil des Zentralnervensystems. Die Menge der grauen Substanz bestimmt zum Teil die menschliche Intelligenz). Manche Hirnbereiche waren mehr, andere weniger stark betroffen. Die Forscher geben aber Entwarnung: nach acht Monaten zeigte eine erneute MRT-Aufnahme eine vollständige Erholung der Hirnmassen. Man erklärt sich die Reduzierung durch ein allgemein sehr hohes Energiedefizit und Rückgang der körpereigenen Fettreserven und somit einer Energieeinsparmaßnahme seitens Hirn.
Oder auch anders formuliert: die Hirnareale, die gerade nicht gebraucht werden, werden „abgeschaltet“. Ganz nach dem Motto: „Form follows function- Form folgt der Funktion“.

Mein Fazit: Der menschliche Körper ist zu weit mehr in der Lage, als wir denken und kann sich den neuen Gegebenheiten immer wieder anpassen. Das, was gefördert wird, verbessert sich; das, was vernachlässigt wird, verkümmert. Aber es verschwindet nicht- es ist nur auf „Stand by“. Deswegen: wenn die Motivation und Begeisterung für eine Sache stimmt, kann man auch mit 90 Jahren noch Chinesisch lernen!



Mittwoch, 27. Januar 2016

Hongkong 100 Race: Mein 1. DNF!!

HK100: mein 1. DNF (did not finish)

Hongkong ist wirklich eine wahnsinns-Stadt, das muss ich gleich mal zu Anfang loswerden! Es brodelt in den verschiedenen Stadtteilen und alles geht wirklich sehr friedlich und ruhig zur Sache. Eine Weltmetropole mit einer unglaublich tollen Berglandschaft in der Countryside! Meer, Strand, Berge und Big City- ein toller Mix, der jede Reise zum Erlebnis macht. Im Januar sind die Temperaturen mit 15-20 Grad normalerweise auch recht angenehm. Doch in den vergangenen Tagen sollte das Thermometer auf unter Null Grad abfallen. Das ist seit 59 Jahren nicht mehr passiert. Hätte ich das vorher gewusst, wären die Shorts, Flip-Flops und Sonnenhüte daheim geblieben. Mit fast 100% Luftfeuchtigkeit fühlen sich Null Grad auch schnell mal an wie minus 15! Dementsprechend bibberten und zitterten wir durch die Strassen von Honkong und das Sightseeing fiel nur in abgespeckter Form aus.
Für den Renntag am Samstag fielen die Temperaturen dann auch nochmals und ein starker Sturm machte das Übel noch schlimmer. Aber mal zurück zum Start....

Die unerwartete Kälte traf auch Süd-China, meinem ersten Stopp in der Manufaktur von UVU. Und da es dort  in den Gebäuden keine Heizungen gibt, waren die 4 Tage ungemütlich kalt. Zudem lag dichter Smog über der Stadt und diese Kombination brachte mein Immunsystem dann zum Stillstand: Husten und eine laufende Nase waren die Vorboten von dem, was noch kommen sollte. Ich war aber positiv und sicher, dass ich bis zum Rennen wieder fit sein würde. Die Meetings bei UVU in der Manufaktur von KTC Limited waren sehr spannend und eindrücklich. Ich hatte mir vorher noch nie solch detaillierten Gedanken darüber gemacht, wie viele Arbeitsschritte benötigt werden, um eine Outdoorjacke,- oder Hose herzustellen. In den ersten Schritten werden die Stoffe in vielen Schritten auf Fehler sondiert. Dann kommen die Schnittmuster, die meistens mit einem Laser geschnitten und mit einem speziellen Tape auf den Nähten geklebt werden. Die Logos und Klettverschlüsse, Reissverschlüsse, Knöpfe usw. werden in weiteren Abläufen hergestellt und eingearbeitet. Wasserdichte Stoffe werden auf Haltbarkeit geprüft. Daunenjacken! Das ist der Wahnsinn, wie diese per Hand in einem extra Daunenraum hergestellt werden. Die Daunen werden pro Kammer abgefüllt und werden dann in die Jackendesigns eingefüllt- exaktes Arbeiten ist gefragt, wenn eine Jacke nachher eine Füllung von 800 Gramm reinster Daune haben soll!!
Die letzten Arbeitsschritte drehen sich dann um die Verpackung und Versendung in alle nur erdenklichen Länder, da bei KTC sehr sehr viele qualitativhochwertige Marken produziert werden (Mammut, Haglöfs, Norröna, O`Neill, Gore, usw).

Da ich für UVU ja schon die Damenkollektion produzieren konnte, wurden die einzelnen Änderungen und Wünsche, die ich bei den Prototypen immer wieder verbessert habe, in ein ziemlich anderes Licht gerückt. Es geht nun in den finalen Schritten um das Farbkonzept , so dass Mitte des Jahres vier tolle Teile der Running-Series auf den Markt kommen! Seid gespannt!
Weniger gespannt sein müsst Ihr zu meinem Rennverlauf beim HK 100 Ultra:
Das Glück hatte ich bei dieser Reise leider irgendwo auf der Strecke gelassen,  da sich der Husten in eine fiese Bronchitis entwickelte und ich gefragt wurde, ob ich Kettenraucherin sei. Ich bereitete trotzdem alles vor und ging mit meinem Teamkollegen Tim Wortmann und Michael Wardian an den Start. Bei eisiger Kälte und Sturmböen, die schon einzelne Bäume umgerissen hatte, haderte ich sehr mit mir, ob es Sinn machen würde, zu starten. Doch dann waren auch schon die letzten 10 Minuten bis zum Start angebrochen und ich ließ es auf einen Versuch ankommen. Auf den ersten 11 km lief es noch ganz gut und ich kam als 5. Frau über die Checkpunkt-Linie. Doch dann wurde es hügeliger und meine Bronchien stiegen aus. Da war leider nichts mehr zu machen und ich wurde bergauf langsam wie eine Schnecke. Es war dann eine ziemlich harte Entscheidung, die ich kurz vor Checkpunkt 2 getroffen habe. Wenn man sich selber aus einem Rennen nehmen muss, muss man auch selber mit dieser Entscheidung leben können. Es ist auch anders, wenn man eine Verletzung hat, die jeder von aussen sofort beurteilen und kategorisieren kann, wie z.B. ein Beinbruch. Aber eine Bronchitis sieht man ja nicht (man hört sie nur) und jeder leidet anders. Bei solchen Erkrankungen gibt es ja auch keine „offiziellen“ Personen, die einen aus dem Rennen nehmen. Somit lag die Entscheidung nur bei mir. Bei CP2 standen mir die Tränen in den Augen, als meine Nummer durchgestrichen wurde. Aber so schnell durfte ich dann doch nicht aufgeben, da CP2 völlig in der Wildnis lag und es keinen Rücktransport gab. Also 7km weiter zu CP3, wo ich dann in einen  Bus einsteigen und zum Hotel fahren konnte. Nach so einer Entscheidung dauert es dann eine Weile, bis man erkennt, dass es aber absolut richtig gewesen ist.
Ich komme wieder, keine Frage! Die Trails waren so anders als in den Alpen, dass sich eine Rückkehr trotz der vielen 1000 Stufen und Asphalt auf jeden Fall lohnt. Meinen Trainingsplan werde ich für die kommenden Monate etwas umstellen und regelmässig ins Hallenbad gehen, um mein Immunsystem zu fordern. Ich glaube, dass diese reine und pure Luft hier auf 1800 Metern nicht immer von Vorteil ist. Ich bin gespannt, ob sich die Schwimmhäute, die sich bilden werden, aerodynamisch auf meinen Laufstil auswirken werden.
Ein Highlight war sicherlich noch, dass ich die Damen von Racing the Planet getroffen habe, die ihr headoffice mitten in Hongkong haben! 
Fazit: „Wenn du etwas machst, dann mach es richtig!“
Mein Musiktipp: THE NOTWIST "CHEMICALS" https://www.youtube.com/watch?v=Jt4rxLHuoVM 









Freitag, 8. Januar 2016

Runners Night in Köln 26.2.16

Braucht Ihr noch einen Motivations-Kick für ein neues Projekt? Wollt Ihr wissen, wie man ein großes Abenteuer plant? Möchtet Ihr erfahren, wie man in 8 Stunden 32 Minuten auf das Dach Afrikas rennt, oben ankommt, völlig fit und fertig ist und dann auch noch in einem Affenzahn runter läuft, nur um zu sehen, wie schnell man sein kann? Klingt das verrückt? Ist es vielleicht auch. Aber ich sehe es eher so: solange man etwas nicht versucht, weiß man nicht, ob es möglich ist.
Kommt zur RUNNERS NIGHT nach Köln und lasst Euch von meinem Vortrag mit Film und Fotos inspirieren: Freitag, 26. Februar 2016, Start 17:00 Uhr, Sartorius Saal. http://www.runnersnight.de Karten gibts im VVK und an der Abendkasse. Mit von der Partie sind auch Prof. Dr. Ingo Froböse, Robert Wimmer, Matthias Marquardt, Dirk Schmidt und Gastgeber Andreas Butz.

Für alle Engadiner:
Am 13. Februar 2016 startet mein Vortrag "Hakuna Matata" im Gemeindesaal Celerina um 20:00 Uhr. Eintritt frei (Kollekte). Zudem gibt es am 23. und 30. Januar Bildervorträge von und mit Strapazi-Leiter Toni Spirig. www.strapazis.ch